THE FUCKLE

Beschreibungen der Gegenwart / Descriptions of the Present

Inhalt/Contents

 

NORBERT FLAUBERTs Kolumne

Début

Norbert Flaubert am 24. März 2017

Norbert Flaubert am 14. April 2017

 

VORWORTE

theoral no. 13

 

TRIPS AUND FESTIVALS

April in Beirut https://thefuckle.wordpress.com/2014/05/03/april-in-beirut/
Reisebericht, Irtijal Festival
english version

Versuch über die Wellen. Teil II – Marokko
https://thefuckle.wordpress.com/2015/05/26/versuch-uber-die-wellen-teil-ii-marokko/

FOCUS INEXPECTATUS in Dala-Floda
https://thefuckle.wordpress.com/2016/08/30/233/

FOCUS INEXPECTATUS in Dala-Floda ENGLISH
https://thefuckle.wordpress.com/2017/02/16/focus-inexpectatus-in-dala-floda/

Charhizmatic Music, Brief an Andrew Choate
https://thefuckle.wordpress.com/2015/11/24/charhizmatic-music/
über Music Unlimited 29

Charhizmatic Music, letter to Andrew Choate
https://thefuckle.wordpress.com/2015/11/24/charhizmatic-music-2/
about Music Unlimited 29

Response from Andrew Choate
https://thefuckle.wordpress.com/2015/11/26/charhizmatic-music-response-from-andrew-choate/

 

FICTION

August in Wien oder Auf der Suche nach Ingeborg Bachmann https://thefuckle.wordpress.com/2015/01/01/august-in-wien/
gescheiterter Roman

 

PLATTEN/RECORDS

Liquid Nights, über Maja Osojniks Let Them Grow
https://thefuckle.wordpress.com/2016/01/03/liquid-nights/

english version http://the-attic.net/reports/1625/liquid-nights.html

 

POETRY

live performance with Radu Malfatti
https://thefuckle.wordpress.com/2016/02/18/poetry-live-performance-with-radu-malfatti/

A Song. For Hamid.
https://thefuckle.wordpress.com/2016/10/30/a-song-for-hamid/

EL PUEBLO VENCIDO (jamás será unido)
https://thefuckle.wordpress.com/2016/11/15/el-pueblo-vencido-jamas-sera-unido/

 

VOICES

William Parker on Billy Bang

https://thefuckle.wordpress.com/2016/03/21/william-parker-on-billy-bang/

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Philipp Schmickl
schmickl [at] socialanthropology [dot] net
http://www.theoral.org

Norbert Flaubert am 14. April 2017

Giradella kam wie immer 25 Minuten zu spät. Das hatte sie sich angelernt, denn ihr Schweizer Sinn für Präzision war ihr etwas peinlich geworden. Aber das machte mir nichts, mir gefällt es ja im Café Korb und außerdem hatte ich ein Buch mit und konnte den Discurso de Estocolmo, Pablo Nerudas Nobelpreisrede, nachlesen: “Digo que los enemigos de la poesía no están entre quienes la profesan o resguardan, sino en la falta de concordancia del poeta. De ahí que ningún poeta tanga más enemigo esencial que su propia incapacidad para entenderse con los más ignorados y explotados de sus contemporáneos; y esto rige para todas las épocas y para todas las tierras.” (Explico algunas cosas. 2007. Reclam. Stuttgart). Ich übersetze zum besseren Verständnis ins Deutsche: “Die Feinde der Poesie sind nicht unter jenen, die sie ausüben oder bewahren sondern in der fehlenden Konkordanz des Poeten. Daher gibt es für den Poeten keinen essenzielleren Feind als seine eigene Unfähigkeit, sich mit den Ausgestoßenen und Ausgebeuteten seiner Zeitgenossen zu verständigen; und das gilt für alle Epochen und alle Gegenden.”

Ich und viele andere auch bemerkten Giradella sofort als sie das Café betrat. Wie immer tat sie, als sei sie im Streß und als hätte sie lauter wichtige Dinge in ihrer viel zu großen Tasche. Ich vermute, das Brauchbarste darin war ihr Schweizer Messer. Ich stand auf, wir küssten uns auf beide Wange, ich schmatzte dabei laut und genussvoll, sie fragte mich warum ich das tue. Ich fragte sie, wie es ihr gehe.

Gut. Danke. Und dir?

Blendend. Hast du was von Frederyk gehört?

Ja, wir haben uns letzte Woche getroffen. Er hat sich zwei Finger verstaucht, aber sonst scheint es ihm gut zu gehen. Er arbeitet jetzt für die Kunsthalle. Ein Bekannter von ihm kennt da jemanden. Und mir ist er auch nicht mehr böse.

Das ist gut. Was macht er denn in der Kunsthalle?

Ich weiß nicht genau. Darüber hat er sich nicht so ausgelassen. Aber er hat mich wieder einmal beschimpft. Weil ich noch immer für Foodora arbeite.

Echt? Was hat er gesagt?

Er hat gesagt, ich sei eine Streikbrecherin.

Aha. Ich glaube zu verstehen. Aber erzähl, was hat er gemeint?

Na, er sagt, dass alle, die solch unterbezahlte Arbeit machen, Streikbrecher seien. Alle die sich ausbeuten ließen und sich selbst ausbeuteten. Denn der Normalzustand diesem System gegenüber, dem wir alle gemeinsam ausgeliefert seien, wäre der Streik. Durch das Mitmachen würden die Verhältnisse weiterhin legitimiert und es würde nie zu einer Veränderung kommen. Höchstens zu einem Crash. Und er warf mir auch vor, dass ich diese Arbeit nur machen könne, weil ich noch einen Zuschuss von meinen Eltern bekomme, sonst würde ich nicht davon leben können, oder nur sehr schlecht.

Da hat er ja recht.

Ja, schon. Aber ich muss mich doch beschäftigen und mir gefällt der rosa Anzug. Und immerhin ist es positiv für die Umwelt, weil wir ja alle mit dem Rad fahren.

Ihr seid Kellner auf Rädern. Wieviel kriegst du auf die Stunde? Ein Kellner kriegt laut Kollektiv 7 Euro auf die Stunde und der muss nicht kilometerweit servieren. Schau, der hier hat einen schönen Anzug an, darf manchmal einen anschnauzen und kriegt gutes Trinkgeld.

Ja. Ich hab jetzt einen neuen Freund. Der sieht zwar nicht so gut aus wie der Freddy und ist auch nicht so gescheit, aber er passt besser zu mir.

Arbeitet der auch bei Foodora?

Nein, er studiert noch.

Was?

In dem Moment kam der Kellner und nahm Giradellas Bestellung auf. Ich blickte durchs Fenster auf die Straße und sah einen Radfahrer mit einem rosa Würfel auf dem Rücken in die Brandstätte einbiegen.

Norbert Flaubert am 24. März 2017

Norbert Flaubert am 24. März 2017

Gestern hatte ich einen Streit mit meinem Freund Frederyk. Als wir dabei waren uns wieder zu versöhnen, sagte er zu mir: “Ich weiß, meine Armut ist hässlich. Sie stinkt zwar noch nicht und sie hat noch keine Löcher im Pullover oder in den Zähnen – nur in den Schuhen und in der Hosentasche – meine Armut ist nicht schön, meine Haare hab’ ich mir selber geschnitten, mich mit stumpfer Klinge rasiert und geschnitten, weil meine Mundwinkel so weit runterhängen. Ich bin wirklich unfähig, in dieser Welt zu leben.”

“Du irrst dich,” sagte ich zu ihm, “du stinkst schon.” Konfrontiert mit seiner Weinerlichkeit loderte die Streitlust wieder in mir auf. Folgende Worte entflohen meinem Munde: “Der faulige Hauch der Armut, der sich langsam im Magen der Menschen zusammenbraut, vergärte Ablehnung und Erniedrigung unter Zusatz von etwas Hefe sowie Erfolglosigkeit und Neid – diese Gase steigen dir schon den Rachen hoch. Wenn du den Mund aufmachst, muss ich mir die Nase zuhalten. Deine Worte stinken nach Unfähigkeit.”

Frederyk blickte zu Boden, er nahm meine Beurteilung geduldig auf. Er hat vielleicht schon Schlimmeres gehört, denke ich jetzt beim Schreiben dieser Zeilen. Ich fuhr fort: “Dir fehlt der Humor, Freddy,” und klopfte ihm dabei auf die Schulter. Dabei löste sich eine kleine Staubwolke aus seinem Jäckchen und schwebte durch den Raum, “aber ihr Deutschen ward ja noch nie gut darin.”

“Das ist nicht lustig,” antwortete Frederyk.

“Such dir eine Arbeit, Freddy! Denk positiv. – Okay, das war jetzt ein Witz. Aber eine Arbeit könntest du dir schon suchen.”

“Tu ich ja. Und es ist genau das, was mich so frustriert, dass ich mir manchmal aus Protest die Zähne nicht putze. Es ist die reine Folter. In der Schule wurde uns die Fähigkeit gegeben – zumindest in Deutschland, ich weiß nicht was ihr hier unten am Balkan in der Schule gelernt habt außer “Schmäh zu führen” – also uns wurde beigebracht, Zusammenhänge und Ungleichheiten zu verstehen. Und jetzt können wir genau beobachten, wie wir Opfer dieser Ungleichheiten werden und können nichts dagegen tun. Gar nichts. Wir sind machtlos. Du sagst, ich solle mir eine Arbeit suchen. Ich scheiße schön langsam auf diese blöden Job-Suchmaschinen. Man wird in jeder einzelnen Annonce erniedrigt. Die Anforderungsprofile für die angebotenen Posten sind alle so formuliert, dass NIEMAND sie erfüllen kann. Noch dazu wird so viel sinnlose Arbeit angeboten und einem gleichzeitig vermittelt, dass man nicht gut genug dafür ist. Man wird als unzulänglich erklärt. Ich will diesen ganzen Scheiß ja gar nicht, ich will weder ein Social-Media-Fritzchen sein noch irgendjemandem Schrott verkaufen, aber ich muss doch von irgendetwas leben. In der Politik sagen sie, dass Arbeitsplätze die Lösung seien und dass sie welche schaffen wollen, aber ich glaube, Arbeit ist das Problem. Die Menschen leiden unter der Arbeit, sie leiden an ihrer Sinnlosigkeit und unter dem Druck, der in vielen Betrieben herrscht. Verdreh’ nicht die Augen, ich weiß das, ich hab ja auch schon gearbeitet. Der Druck schwappt über ins Private und die Geborgenheit mit der Freundin ist auch nicht mehr so. Du, hast du eigentlich wieder einmal was von Giradella gehört?”

Ich sagte nichts. Gut, dass Frederyk so in Fahrt war. Es ging weiter: Würdevolle Arbeit unter würdevollen Bedingungen, die anständig abgegolten wird, gibt es so etwas? Nein! Ich muss meine Freunde, auch dich, lieber Bertl, als Konkurrenten sehen. Sie dividieren uns auseinander. Und du redest von Humor.”

Obwohl ich meinem Freund zustimmen wollte, sagte ich in meinem besten Falco-Slang: Heast, Freddy, scheiß dir nicht ins Hemd,” worauf er ausholte und mir mit seiner Faust mit voller Wucht ein blaues Auge schlug und sich dabei zwei Finger verstauchte.

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Norbert Flaubert Debut

Norbert Flaubert am 14. April 2017

Norbert Flaubert

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen meinen neuen Mitarbeiter Norbert Flaubert präsentieren.

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Er wird mich in Zukunft in meinen administrativen Pflichten entlasten sowie meine Korrespondenz übernehmen. Es kann deshalb des öfteren zu Verzögerungen in meinem E-Mail-Verkehr kommen. Dafür habe ich ihm eine Kolumne in THEFUCKLE zugeschanzt. Ich halte sehr viel von seinen Fähigkeiten. Seine Gedanken und Formulierungen sind manchmal vielleicht etwas seltsam aber ich glaube, er meint es ehrlich. Er ist die Stimme des Volkes.

Norbert Flaubert am 15. März 2017 Café Rüdigerhof, Nachmittag

U4 : Ich erhob meine Augen aus Joseph Roths Radetzkymarsch in dem ich folgendes gelesen hatte: “Die Armut stand immer noch vor der Zukunft, eine schwarze Wand, an der man zerschellte. Man sank der Armee geradezu in die Arme. Sieben Jahre Essen, sieben Jahre Trinken, sieben Jahre Kleidung, sieben Jahre Obdach, sieben, sieben lange Jahre.”

Mein erhobener Blick haftete sich an ein Mädchen, das auf mich zuzukommen schien. Dunkelgrüne Jacke, rosa Haare, weißes Gesicht. Mit klaren Augen und fester Stimme fragte sie mich um Kleingeld. Ich verneinte. Der junge Mann neben mir starrte angestrengt aus dem Fenster, er sah sie nicht an als sie ihn ansprach. Ich dachte, ich könne sie fragen, ob ich sie auf ein Bier einladen dürfe. Aber es war noch zu früh und sie wäre vielleicht wirklich mitgegangen.

Als sie uns weiter sitzen ließ, dachte ich an den Russen, der mich damals auf dem Boulevard de Magenta in Paris aufgehalten hatte um Geld von mir zu verlangen. Es war kurz vor Weihnachten im Jahre 2005, als ganz Frankreich von den Unruhen in den Banlieues erfasst wurde. Ganz Frankreich? Nein! In der Auvergne, in der ich seit September an einer Schule arbeitete passierte nichts dergleichen. Nicht einmal ein Mistkübel brannte. Aber nun war ich in Paris, mein Zug nach Wien ging am darauffolgenden Morgen, und ich flanierte den Boulevard hinunter Richtung République, Ausschau haltend nach einem geeigneten Bistrot in dem ich zu Abend essen wollte. Es war sehr kalt, obwohl der Winter gerade erst begonnen hatte. Der Wind pfiff durch die kahlen Kronen der mächtigen Platanen, die ihre Blätter wirklich erst Mitte Dezember verlieren. Vor mir ging eine Menschengruppe, vier, fünf junge Männer und Frauen. Sie unterhielten sich wie sich die Pariser und Pariserinnen so unterhalten. Links aus einem Hauseingang trat plötzlich eine imposante Gestalt hervor, kräftig gebaut und dick angezogen. Sie wendete sich an die Gruppe, die aber keine Reaktion zeigte, sondern nur auswich, wie ein Bienenschwarm der Bärenfaust. Der Mann blieb mitten am Gehsteig stehen und wartete auf mich. Ich wollte an ihm vorbei, er aber packte mich an meinem Schal, zog mich zu ihm hin und sein Gesicht sehr nahe an meinem, presste er mit russischen Akzent hervor: “Donnes-moi deux Euros.” Ich griff in meine Tasche, holte das Kleingeld heraus und gab ihm einen Zweier. Er ließ mich gehen. Ob er sich bedankte, weiß ich nicht mehr. Während ich im Bistrot saß, Wein trank und auf mein Entrecôte wartete, dachte ich: “Ja, er hat eigentlich recht. So muss man es machen.” Und ich notierte mir auf das feine und weiche Papier meines neuen Pariser Notizblocks, dass man in einer Gesellschaft, in der alle letztendlich nur nach Profit und Sicherheit streben, oder glauben, Sicherheit durch Profit herstellen zu können, man oft nur ein bisschen Gewalt anwenden muss, um dieses Kartenhaus zum Einsturz zu bringen.

Das wollte ich der jungen Frau noch sagen, aber sie war längst schon viele Enttäuschungen weiter am Ende des Waggons angelangt. Also senkte ich meine Augen wieder in das Buch und las: “Das Leben schien schneller dahinzulaufen als die Gedanken. Und ehe man einen Entschluß gefaßt hatte, war man ein alter Mann.”

Norbert Flaubert am 24. März 2017

FOCUS INEXPECTATUS in Dala-Floda

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This is not a review. My texts are like music, they have no (real) beginning and no (real) end. They do not only have one topic, or one main-topic, because all topics are related to all other topics. One idea consists of all ideas. One thought contains all thoughts. There are only occasions for writing. This time it’s the Hagenfesten in Dala-Floda to where I followed the invitation to give expression to my music.

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Tuesday, August 2nd, 2016, Stockholm, Arlanda Central Station, 9.28 am

Que faire? (What is to be done?) It’s cold and I am waiting for the train. It will depart at 10.06 am to Borlänge where I am going to take the bus to Dala-Floda. There will be a festival and its programme is secret.

FOCUS INEXPECTATUS

‘The focus on the unexpected is first a focus on one’s self and on one’s own will,’ I wrote into my notebook as a preparation for the journey. Because one has to be prepared in order to take the unexpected. One has to be free – or freer – from fear and open to stand the unexpected or to even look for it. One needs the confidence that the expected is going to be ‘good’ – or one needs the patience to go through it when it turns out badly. If there will be something really unexpected at the festival, I will find out in the next days.

In front of me, a policeman is controlling the passengers with his eyes. Gun, club, back pain, judging from his way of moving.

Last Friday I spent a hot and lazy afternoon in the Augarten park (Vienna) and was reading Eric Wolfs ‘Europe And The People Without History’. When my concentration wore off, I started looking after the women that were passing by instead of trying to get back my concentration. Sometimes I lose my focus. Soon I felt stupid turning my head around so much, so I decided to concentrate on my concentration – à la recherche de la concentration perdue – in search of lost concentration, and she came back and I read (and understood). That way the right people walk into you. Out of the focus on myself the unexpected happened and it set the mood, my mood for the festen and the journey. Saudade!

This morning around six at the Vienna International Airport I had to say goodbye to Andrew Choate with whom I spent the few days of coming down after the Konfrontationen Festival (Nickelsdorf; http://www.konfrontationen.at/ko16/). We parted from each other in front of the artificial turf where Andrew stayed jamming a square and I left to catch my flight.

I read : ‘Desire and life cannot be postponed. Sunsets, ripe strawberries, the singing of the birds, goodbye-kisses want to be savoured now. Spontaneity is a commandment for every pleasure; and what is spontaneity other than the ability to let one self be surprised, to be able to marvel at things?’
(Original :
Lust wie Leben lassen sich nicht aufschieben. Sonnenuntergänge, reife Erdbeeren, Vogelgesang und Abschiedsküsse wollen jetzt genossen sein. Spontaneität ist das Gebot für allen Genuss; und was ist Spontaneität im Wesen anderes, als die Fähigkeit, sich überraschen zu lassen, staunen zu können?’)

Severin Heilmann, Probe entfällt wegen Auftritt. Streifzüge 55

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The journey

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They picked me up at the Dala-Floda station and now I am here in the northern South of Sweden, two days before the festival is going to start with the revealing of the secret of the first band. Im am sitting alone at a table, listening to the French boys and girls talking English – about movies. Everything seems a little smaller than last time. I must have grown. Ah, food is ready.

After lunch : During lunch I got to know some of the volunteers. Many of them did not come for the music in the first place, they rather came for the community-experience and/or because they are friends of the regular Hagenfesten volunteers. From Great Britain, from France, some Germans, Swiss and even Swedish. In this very moment they are lying in the sun, scattered on the lawn.

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‘The shift work-shop starts in half an hour,’ Jens Linell said, who is taking care of the volunteers, to make them acquainted with the tasks they will have to fulfil during the festival. The French boys and girls are now speaking in French – about cinéma. During lunch I was also talking about myself – I said that I was going to write about the festival and that I am an editor of books – and about Nickelsdorf. When I related bits of the Konfrontationen festival, I realized that I said, that in our festival the focus lies on improvisation – meanwhile it got the subtitle ‘An Improvised Festival’ – and that the focus on improvisation is analogous to the focus on the unexpected, it’s just a gradual difference. Because improvisation is a method that wants to provoke the unexpected as well as a method à faire la musique politiquement (to make music politically). Here we’re back at cinéma, because this last thought has got to do with Jean-Luc Godard. Karin, my theoral-accomplice, gave me a booklet which I brought with me. It is called Que faire and contains thoughts and ideas about the making of movies, that Jean-Luc Godard united in a manifesto that contains 39 declarations. More on that subject later.

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Everything is still here at the Hagen : the river (when I arrived I thought, ‘Ah, down there the music is flowing‘), the clouds, the house, the winter garden kitchen, the floating sauna,

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the barns, the pavillion-tents (again), the wind, the serenity, as well as al the small wooden stools, the chairs, all the different benches and sofas, the Hollywood garden swing, the fauteuils, the candlesticks, the cups and little cups, ornamented with flowers and little flowers and hearts, wine glasses in all beautiful forms (respecting the cosmic harmonies of all the shapes and sizes), the tablecloths, the ashtrays, the bowls, the lamps and small lamps (lamparitos), stars and lampions, the garlands, the flower pots, the ribbons, curtains, blankets – probably all from the Loppis (second/third-hand dealer in Dala-Floda). The lawn was mowed very recently and where the high grass with its flowers doesn’t disturb, they let it be. The slope down to the river, the pontoon from where you jump into the water, the wooden buoy to hold on to, the Nils Holgersson geese, the bell, Lena and Jon, mother and father of Joel Grip

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who had invited me, the field nearby, the raspberries, the campsite and again the serenity. Particularly when looking into the water, one can get the impression to be on an island. But the atmosphere and the mood that is spreading all over Europe, is inside us and we brought it to this island. We take our thoughts with us everywhere we go. We try to soothe our worries with the music, I try to soothe my worries with the music.

Two weeks ago our festival took place, Konfrontationen in Nickelsdorf. Andrew the square-jammer Choate and I, without having to discuss it, agreed that in this year’s edition we felt a kind of uncertainty, a political uncertainty. Many concerts were good, some very good, one was OUTSTANDING – they played with stones and flowers, the wind and the heat (Ninh Lê Quan, percussion; Michel Doneda, reeds).

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Other concerts were not interesting at all. A usual combination. The uncertainty – maybe it was only us who felt it – had its point of departure at the threshold of the Jazzgalerie, at the isthmus that divides the fest from the village Nickelsdorf. In May this year the Austrian presidential elections took place and two thirds of the inhabitants of the village voted for the extreme-right candidate. I have the feeling that the ignorance changes into active rejection of the festival. Around the year 2000, when the right-wing/conservative government took power in Austria, some young drunk youths from the village attacked festival-guests on the campsite. I hope, this does not happen again, but I feel the potential. This year, a part of the sound-art exhibition was evicted, because the owner of the house where it took place, didn’t want to have any refugees in his house, as he said. He didn’t know that it was just tents. About this particular part of the exhibition :

Christine Schörkhuber: “We arrived on the dark side of Europe – the tents of Idomeni”
in collaboration with Amir Zada, Bachir Abdulahad, Mahdir Nadir Hussain.

After the closure of the “Balkan route” a few months ago, thousands of people stranded at the greek/macedonian border. To overcome their speechlessness, their only possibility was to write their demands on their tents, hoping this lines would be transported and read. And they have been carried on to Nickelsdorf. Transfered, displaced and out of context they reappear as a relict of european history on trembling tarpaulin.

The tents had to go again. So they were put up right in front of the Jazzgalerie and that had a much stronger effect.

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Foto: Micke Keysendal

At the same time the military is patroulling, carrying their weapons through the village. A friend, who was staying just accross the former former border in Hegyeshalom, and who was cycling back and forth every day, told me that he had seen Austrian soldiers, guns in their hands and people kneeling in front of them in the gravel with their hands behind their head. Dror Feiler made photos and was threatened and chased away.

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Foto: Dror Feiler

All this is alienating. You can feel the “new self-assurance” of the military and the police. They are still hoping that their candidate is going to win in the repetition of the presidential election. Also in Vienna, since some time I see much more police in the streets, they’re everywhere with their fresh haircuts and ugly cars.

After a nap in the sun I woke up again on the island. The preparations are progressing, the volunteers are diligently doing their thing, although I heard Tilly say, ‘I feel more like sleeping.’ The peaceful atmosphere that lies on the Hagen was just startled by a cover of a pot falling on the tiles of the kitchen floor. Niklas Barnö walks past (organizer). I am going to jump into the water.

Lisa Grip, Joels sister, came over and asked me if she could take a picture of me. She and her partner Erik Viklund make portraits with an old camera (Wista 4×5) of those present at the Hagenfesten during daytime and develop the photos in the night. Over the next days they will create an exhibition up in the gallery above the Stallet.

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Next to me a French boy and an American girl are talking about the police. ‘When you see the police in the street (in Baltimore) you don’t think that they gonna protect you,’ she said. ‘Yeah,’ said he, ‘in France it’s the same now. There was a law enforcement, so they can take you in the street and bring you to the police station and hold you for two days without any reason.’

Dinner time is approaching and French noises are coming out of the kitchen, Cumbia on the boombox. Heaven is thundering. I fancy 1 beer.

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&

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Second day, one day before the festival, Wednesday, August 3rd

She came to me in my dream and referring to what I wrote into my small notebook – ‘she’s a woman with whom I can flee from the Nazis when their time is ripe again’ –, she said : ‘No, you must fight.’

Yesterday evening I got acquainted with Paul Abbott who told me about CESURA//ACCESO (http://cesura-acceso.org) About : Cesura//Acceso is a print and online journal for music politics and poetics.

Or how they put it in the editorial :

‘This journal explores—through music, politics and language—the means we have, in spite of limitations, to be part of an ecology of resistance and learning that includes skin, organs, ideas, imagination, flight, asylum and history. It is also a project of unmasking both the roots and reproductions of increasingly opaque and complex malignant factors that sustain our oppressions, and the “unspent” political potential of music.’

I had breakfast with Marc,

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who is a wine-dealer and concert-organizer (Atelier Tampon Nomade) in Paris (https://www.facebook.com/marc.fevre.39). In plain French he commented on the music coming out of the kitchen radio, ‘Je déteste les Beatles (I hate the Beatles).’ Already in his youth, the music everybody was listening to, was a real pain in his ass : Dire Straits, Supertramp (which he pronounced Supertrump). So he went to the public library, bibliothèque (discothèque) municipale, and asked the librarian if she had something else to recommend. She gave him a Cecil Taylor record and Alan Silva and The Celestial Communication Orchestra, Byg Actuel, https://www.youtube.com/watch?v=hoMwVrNT2Cs. This had changed his life. I told him about Hauna (Hans Falb, who made the Jazzgalerie to what it is now) who, when I was still a youth, gave me a lot of music (and literature) that formed me. With regard to this Marc pointed out to me the meaning of the word ‘repère’ in the langage Lacanien : repère = point of reference; père = father. This was followed by more profane word-plays like ‘petit-daesh’ or ‘touches pas à ma compote!’ Marc also told me about the ‘chinoises sur les quaies qui te font une pipe pour cinq Euro.’ (Chinese women on the quais in Paris who give you a blow-job for five Euros.) Female friends of his once approached these Chinese women and told them that they could charge more but all they replied was, ‘Bon prix! Bon prix!’ (good price). They assumed that those were they only words they knew in French. But how did we come to this point? Yeah, I remember. I told Marc about a journey home I once made by coach from the Auvergne via Italy. In Lyon roughly ten Poles boarded the coach, they were also on their way home. Final destination Warszawa. They were drinking vodka, each one had his own bottle but they were drinking from tiny plastic cups. At almost every stop one or two of them jumped out to get more vodka from the gas station. They invited me to drink with them and explained me that finally they could go home again. They had spent months in southern France renovating an old castle. They were payed four Euros per hour and on Saturday they had to work without payment in order to bear the costs of food and accommodation. This is the world we are living in, the exploitation is happening in the midst of our free and open societies and tacitly we agree. These are our values.

The impression, that Dala-Floda is an island was reinforced by the fact that since my arrival the internet is not working. A lightning hit. But the idea of isolated or quasi-isolated societies – although this idea is advocated by our rulers and those who want to rule – is obsolete since a long time, in Anthropology since at least Eric Wolf‘s ‘Europe And The People Without History’ was published in 1982.

Introduction : ‘We have been taught, inside the classroom and outside of it, that there exists an entity called the West, and that one can think of this West as a society and civilization independent of and in opposition to other societies and civilizations. Many of us even grew up believing that this West has a genealogy, according to which ancient Greece begat Rome, Rome begat Christian Europe, Christian Europe begat the Renaissance, the Renaissance the Enlightenment, the Enlightenment political democracy and the industrial revolution.’ (p. 5)

About sociology and the way of analysing societies or nations, after the advent of capitalism, that gave way to the idea of societies or nation-states as ‘islands’ that follow an ‘inner clock-work’, he writes : ‘Since social relations have been severed from their economic, political, or ideological context, it is easy to conceive of the nation-state as a structure of social ties informed by moral consensus rather than as a nexus of economic, political, and ideological relationships connected to other nexuses. Contentless social relations, rather than economic, political, or ideological forces, thus become the prime movers of sociological theory.’ (p. 9)

At another place Nikolaus Dimmel comes to a similar conclusion when talking about the analysis of violence in sociology :

‘The mainstream in sociology is not capable of explaining the power relations other than through personal relation(ship)s. Violence is generally seen as physical or psychological damage and/or the threatening by others.

(‘Deshalb vermag etwa der Mainstream der Soziologie als einer sozialtechnologischen Disziplin, das Gewaltverhältnis nicht anders als über personale Beziehungen zu erschließen. Gewalt wird hier gemeinhin als körperliche (physische) und/oder seelische (psychische) Schädigung eines Anderen oder von Anderen oder/und deren Androhungen verstanden.’) Gewalt – Ein Verhältnis, Streifzüge 63.

The global economical, political and ideological violences that are governing our microcosms are neither included in mainstream-sociological analysis nor in other mainstream media political analysis. Thus these ways of explaining the world do not have – or should not have – any significance, but it is exactly them who fuel the ideas of our rulers and those who want to rule.

Eric Wolf in his Afterword :

‘This book has asked what difference it would make to our understanding if we looked at the world as a whole, a totality, a system, instead of as a sum of self-contained societies and cultures; if we understood better how this totality developed over time: if we took seriously the admonition to think of human aggregates as “inextricably involved with other aggregates, near and far, in weblike, netlike connections” (Lesser 1961: 42). As we unraveled the chains of causes and effects at work in the lives of particular populations, we saw them extend beyond any one population to embrace the trajectories of others – all others.’ (p. 385)

In his book Wolf describes the history of and the connections between groups, societies, nations, &c. in América, Asia, Africa, Australia before the Europeans discovered (for them) the new continents; then follows an account of the advent of the European explorers and their greed and hunger for natural resources which entailed the transformation of the societies through mercantilism. In the last chapter he speaks about the Industrial Revolution and the crisis of capitalism. Wolf makes it clear that everything is connected and that everything was connected already before our current phase of (digital) globalization. Reading ‘Europe And The People Without History’ I realized that we as people and societies are absolutely helpless, we have absolutely no power opposite capitalistic imperatives. The principles of the decisive decisions have nothing to do with the people, neither with the life of communities nor with states or state-unions. These decisions are not taken by a man or a woman or a group of people, they just materialize out of capitalistic imperatives. We are living in (violent) structures that are shaped by these decisions. Resistance is incorporated and sold back to us.

We can vote and even when the “good” win, we can be sure that they are going to be corrupted by these capitalistic imperatives. We cannot do anything against that. We just have to wait. So I asked myself, what else can I do than surfing through world history as decent as possible, nonchalantly unimpressed, and keep trying not to be governed to such an extent. Michel Foucault again. We have to build our own world, in spite of all the police. A Merz-world. Because

‘[w]ithout indulging one’s delights you cannot overcome the reality which prevents us from indulging our delights.’

(‘[p]rofan gesagt: Ohne der Lust zu frönen lässt sich die Realität nicht überwinden, die uns der Lust nicht fröhnen lässt.’)

Lorenz Glatz, Meer der Lust. In: Streifzüge 51

This is what we are trying here in Dala-Floda. Our society is temporary – she has to vanish because we have no resources, and those who have resources keep them for themselves – but many ideas and feelings how everything could be better, are coming up. And they can’t exorcise these ideas and feelings.

It’s raining time and again, sometimes only for five minutes, sometimes for half an hour, sometimes heavily sometimes only in drops. The water from heaven hits my open notebook and it ripples the paper. Is it the primordial quality of water to ripple. The rain breathes the oceanic of the water into the paper. I asked Ella, student of literature in Glasgow, if she had read Virginia Woolf, The Waves. ‘No, just To The Lighthouse and Orlando.’ Not bad either. Also the wine, which I spill while I’m writing, ripples. There are oceanic waves in my flower-ornamented wine glass.

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Un essay de Faire 2 – Thoughts about Jean-Luc Godards ‘Que faire?’

Overlapping and similarities in the methods of Jean-Luc Godard, Eric Wolf, improvisers and this text in relation to the manifesto ‘Que faire?’ (What is to be done?).

Some points from ‘Que faire?’:

1 – Il faut faire des films politiques. – We must make political films.

2 – Il faut faire politiquement des films. – We must make films politically.

13 – Faire 1, c’est faire des descriptions de situations. – To carry out 1 is to make descriptions of situations.

14 – Faire 2, c’est faire une analyse concrète d’une situation concrète. – To carry out 2 is to make a concrete analysis of a concrete situation.

19 – Faire 1, c’est décrire la misère du monde. – To carry out 1 is to describe the wretchedness of the world.

20 – Faire 2, c’est montrer le peuple en lutte. – To carry out 2 is to show the people in struggle.

23 – Faire 2, c’est de ne pas fabriquer des images du monde trop complètes au nom de la verité relative. – To carry out 2 is not to fabricate over-complete images of the world in the name of relative truth.

Translated by Mo Teitelbaum

What is relative truth? In my thinking the strive for relative truth is the attempt to reveal the relations between people resp. social groups and the conditions they are living in, thus FAIRE 2, defined by • 14, to make a concrete analysis of a concrete situation. As well as in terms of Eric Wolf who wrote in ‘Europe And The People Without History’ : To demonstrate the global interconnections of human aggregates is one task; to explain the development and nature of these connections, however, is another‘ (p. 385). The second task that Wolf addresses here, is the explanation of the development and the characteristics of the living conditions (ie. economic, religious and ideologic constraints) of the social groups and this can be seen analogous to Godards FAIRE 2. Therefore ‘Europe And The People Without History’ is not a political book but Eric Wolf wrote this book politically (• 2) and this is the reason why it is much easier for us to draw conclusions for ourselves and the way we are governed than from usual political books, articles, news – the mainstream – which assume the island-myth and who do not concentrate on the explanation of the Connections, ie the relative truth.

This matches with the spirit of many improvising musicians in how they present the music. It is more about a search for possible ways of expressing the music and much less

 

a demonstration of something perfect or accomplished, in other words something which is isolated from influences. If you speak to the musicians, you will very quickly realize that they let all possible influences in, from all arts from all over the world, they reflect on political, religious and economic constraints, their own momentary condition, &c. All this has its effect upon the music which is played/let through during a concert. Like Christof Kurzmann once said on the radio, ‘Yesterday I watched the news, this morning I read the newspapers and this is what I play.’

And the artists show themselves on stage in their struggle to let the music come into being (• 20 is to show the people in struggle) because this kind of concerts often have the character of a public experiment.

24 – Faire 1, c’est dire comment sont les choses vraies. (Brecht). – To carry out 1 is to say how things are real. (Brecht).

25 – Faire 2, c’est dire comment sont vraiment les choses. (Brecht) – To carry out 2 is to say how things really are. (Brecht).

30 – Faire 2, c’est savoir que l’unité est une lutte des contraires (Lénin), savoir que deux est dans un. – To carry out 2 is to know that unity is a struggle of opposites (Lenin) to know that the two are in one.

I found that • 30 also has a more universal aspect, like : one thought contains all thoughts. As a parallel to this, that unity not only consists of two opposites but of innumerable elements, like a society consists of all things, influences and Connections that have an effect on her.

Another thought : two is in one, like the body is the mind is the body.

https://www.youtube.com/watch?v=nfHCIkaxsN4

 

37 – Faire 2, c’est se servi[r] des images et des sons comme les dents et les lèvres pour mordre. – To carry out 2 is to use images and sounds as teeth and lips to bite with.

38 – Faire 1, c’est seulement ouvrir les yeux et les oreilles. – To carry out 1 is only to open the eyes and the ears.

Who is it that carries out 1 and uses images and sounds – and I would add words – not as teeth and lips to bite? Godard calls it the Bourgeoisie (• 11 – To carry out 1 is to remain a being of the bourgeois class.) And FAIRE 1 also means to stay within the realm of description (• 13) and to not search for relative truth, thus the relation between the phenomenons – the truth of the relations. The true description of the relations mirrors the power relations we are living in. And only when we understand the power relations we can try to not let us govern to such an extent.

Not many texts about music festivals transcend description, they rather content themselves with a portrayal of what happened on stage. Some journalists even write about concerts without having been part of it.

Here I am trying, in terms of FAIRE 2, to show the music, the how of the presentation, the place and the people of the festival, as well as the political and social conditions, observing-juxtaposing and poetic-political, in the context that I’m seeing them in.

Apart from the so called Feuilleton or cultural journalism (= cultural industry) – which is in itself tame like a Golden Retriever who brings back the stick EVERY fucking time, because it is only reporting on harmless contents (harmless towards those who exercise power) – there are many in the media (newspapers, radio, television, private or state-owned) who are not conscious of their fundamental task. The way of working of a conventional journalist is not more than self-legitimization, in order to be able to keep his or her place and to have an existence in the system. They either earn too much or too little – most of the time too little, I suppose – and so they can never be independent. And before they take a risk and write about a delicate matter, they rather stay inside and fulfill their task as cog of legitimization and satisfy the rulers. Their way of working entails the legitimization of the empty phrases of politicians and their so called experts as well as the so called experts of media itself. Our journalists take seriously what they are told by our rulers resp. just copy and paste press releases from political parties and corporations and they do not ask questions, or not the right questions. And if sometimes they do, they swallow the non-answers and maybe think of their family. Another dangerous thing for the media-workers/owners is the putting into relation of their reports because this could be unpleasant for the rulers and this can fall back on the journalist/newspaper &c. This is the reason why they reduce themselves to taking sides with the most powerful and the legitimization of empty phrases. They conceal the Connections, if they even try to find them.

Politicians, Journalists, nous irons cracher sur vos tombes !
(We will spit on your graves)

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Third day; first day of the festival, August 4

First concert, church. Pat Thomas, piano; Daichi Yoshikawa, feedback; Seymour Wright, saxophone; Joel Grip, double-bass; Paul Abbott, drums; Antonin Gerbal, drums; Pierre-Antoine Badaroux, saxophone. Before everything began, Lena, Joels mother and the heart of the kitchen, said two things to the audience : ‘We are doing this for the fun.’ And : ‘Food is also music.’

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The concert once again reminded me that the music has no beginning and no end. The music, as ever existing current, is always there, or here, she just has to be made heard through the musicians, through their concentration, and pulled to the surface or brought inside these old walls of the church, leaks are torn into the atmosphere. The music flows through the musicians, through the room where she becomes audible, into our bodies. Sometimes she descends like a flash of lightning. She moves inside us and produces waves with the water of our bodies. Some players try to control this flow, others let it move as free as possible through their bodies and lend it their vocabulary, concentrated and détaché en même temps.

I thought : such a festival is an audibilisation of music, a joint effort – because the concentration of the listeners is necessary – to experience music as a connection between humans, and each one does it in his or her own way. There is no conductor, no so called creator who tells the individuals what to do. The music is not abused.

I kept on thinking : I try to open as many ports as possible, socially and artistically.

Second concert, church. It was a big surprise, totally unexpected, to see Jens Linnel (tambourine, amplifier, cymbals) on stage, the guy who took so much care of the volunteers and the assembling of the festival (and my tent). He had changed, wore a bright shirt and his long blond hair was falling on his shoulders and not covered by a cap. The people went quiet and contented baby-noises were filling the cold air of the church. Could I see them breathing? Jens started slowly to play his tambourine and soon found the concentration to bring Swedish folk music to a more abstract level. At the end of the concert it stopped raining outside and the sun shone through the church windows. The madonna was crying tears of blood, somewhere in Italy.

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In the afternoon we all came back to the Hagen. At four I had to choose between movies and a concert. I was so keen on music that I went to the Härbre where Susana Santos Silva, trumpet; Paul Abbott, drums; Wilhelm Bromander, double-bass played a short set. Ten, fifteen minutes I sat at their feet, then it was over and I threw myself into the river.

In the evening, before it went dark, but the light bulbs were already on, Aimi La Friseuse – une coiffeuse qui bosse dans la mode à Paris, like she said – opened her hairdressing salon, pay as you wish. I was her first client (and paid two glasses of vin naturel).

My fourth concert took place in the Ladan with John Holmström, piano; Anna Lund, drums; Emil Skogh, double-bass; swing in supernice, not in an antiquated way, more in a half-antiquated way. But, what is old and what is new? It is about bringing the music to the surface, bringing her in or bringing her out, bringing her up or bringing her down. And this in itself is an honourable activity. Only the question about the HOW remains, but the answer to this is up to yourself. I, for myself, try to avoid judging. Which is sometimes impossible because some things are just – I don’t want to say bad, because bad can be good as well – but hypocrite.

After that Evie Scarlett Ward, voice and cassette recorder played in the Stallet. Poetry. I found space in her words, only when she turned off the recorder that was broadcasting a babble of her voice : concrete unconcrete Londonian metro; I found concentration when as spoke her poetry into the silence.

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Fourth day, August 4

Little exhaustion. But the good food and the constantly fresh bread, that everybody (artists, audience, volunteers) shares three times a day, is immensely strengthening. Also the French vin naturel and the Swedish craft beer, which tastes a little like toothpaste, are like medicine against fatigue.

The last two concerts of the last night I heard from far, they were loud enough. The next-to-last concert : Jonathan Larsson, dragspel; Oskar Reuter, guitar, nyckelharpa.

Last concert : Ständernas Svall – Finn Loxbo, guitar, singing; Vegard Lauvdal, drums.

I went to the bar and talked to the people. I got acquainted with Lucas Maia, a Brazilian from São Paulo who is living in Berlin and who, together with Léa Lanoë and Pierre Borel, is making a film, 16 mm, at the Hagenfesten. I talked to some volunteers and to some guests and I heard many stories, that are easily told to strangers. Justine told me, that she had heard from Mélody

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Mélody, Justine

who I told about my book-making and writing, that an écrivain (writer) is at the festival. She didn’t know how he looked liked, but judging from how I moved and looked, she thought it was me. So, I am identified and recognized as a writer. But am I really a writer?

The rain disregards any agenda
Under the stars
Howe Gelb

The instability of the cloudy. Today in the early afternoon I went to the gallery and saw Anna Högberg, saxophones; Susana Santos Silva, trumpet. The room was really bright compared to the general conditions. I sat down and closed my eyes until the end of the concert. I felt like being inside their instruments and I could have stayed longer. When I opened my eyes I saw two young elephants standing in front of me and I applauded.

It is half past three, 2016, I am 36 years old. The festival folks are speaking in different languages. Aimie has already opened the bar and put on Radio Nostalgie. Since days she didn’t remove her pink sun glasses which fits very well to her Moroccan face and her brazilian hairdo. She just stepped out of the bar and shouted, ‘The bar is open!’ and then she danced some steps in front of the entrance. Buenaonda. I am thinking about getting hold of a glass of rosé pettillant.

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with Itaru Oki

Later : Instead to the bar I went to the movies in the Ladan. The programme is curated by Pierre Borel and Léa Lanoë. This afternoon the films were accompanied by live music from Joel, Susana, Niklas, Linda, Antonin, Pierre-Antoine und Franziska, who were only introduced by their first names.

Voilà, the film-programme of the festival :

Mercredi 3/8

23H / Séance 1: Moullet/Smith
Essai d’ouverture, de Luc Moullet – 14 ‘
The Girl Chewing gum, de John Smith – 12′
Gargantuan, de John Smith – 1′
Barres, de Luc Moullet – 14′
Associations, de John Smith – 7′
Om, de John Smith – 4′

Jeudi 4/8

16H / Séance 2 : Jean Painlevé
Le Bernard l’hermite, 14′
La quatrième dimension, 10′
Les amours de la pieuvre, 14′
Le Vampire, 8′

 01H / Séance 3 : Jean Rouch
Cocorico Monsieur Poulet, de Jean Rouch – 92′

Vendredi 5/8

16H / Séance 4 : Ciné Konzert Bruce Lacey
The Battle of New Orleans, 5′
How to take a Bath 8′
The Running and Stumbling and dumping Still, 10′
The Kiss 8′
+   La Croissance des Végétaux, Institut Pasteur – 12′

01H / Séance 5 : Djibril Diop Mambety
Badou Boy, de Djibril Diop Mambety – 56′

 

Samedi 6/8

16H / Séance 6 : 16mm
Studie Zur Farbe, Lucas Maia, digital ton, 8′
In the Traveller’s Heart, Distruktur, Optical ton, 20′ 

01H / Séance 7 :
Dreaminimalist, de Marie Losier – 23′
Germans taste the best , de Rosa von Praunheim – 26′
Double Exposure, de Bruce Lacey – 3′

a and Pierre run the KK19. http://daskkdixneuf.tumblr.com. A space in Berlin for extraordinary musics, exhibitions, films, lectures, dancings, foods, and so forth, says the website. I have to visit them. With their choice of films, they pointed to a whole new world – there is so much that I don’t know and they added another dimension to that! Every film I saw during the festival I would watch again, but I don’t want to write about them. If I would, I would like to create a space wide as this text in order to show Connections and conditions but you know. What I want to say is that every festival that engages in experimenting, should provide a space for movies like on the list above. Live-accompanying is okay, but not necessary.

A man, an old Swede, is walking around the Hagen. He looks like Jean-François Pauvros with a radical haircut. (Unfortunately no photo).

A concert starts in the Stallet. I hope, I am going to hear it over to where I am sitting right now, still thinking of the two young elephants. Applause in the Stallet. Greta (three years old, fair-haired, like every Swedish child) is hiding from her mother (Franziska). I know where she is. Franziska does not.

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The other child is wearing a mask upside down. In they kitchen dinner is being prepared. I can’t hear anything from the Stallet. The sun is shining on my black jacket.

Later : It was Martin Küchen, saxophones; Joel Bremer, violin who I finally went to listen to in the Stallet.

What is very frequent at the Hagen is a mixing of sounds, a mixing of the inside and the outside in the mind of the listener. The more quiet the concert, claro, the more you hear the sound of the surroundings. I thought : There is no will (and no possibility) to create an artificial/affectedly pureté (purity), ie to cut the music off from what is around. Thus, to let (in an anti-fascist manner) the mixing happen between music, humans, animals, machines, creaking wooden doors, le vent qui passe. One is relaxed and knows in what kind of world we live/love.

Half past eight, the sun is still shining. I am sitting by the river, most people are at the concert with Eva Rune, sång; Maria Misgeld, sång; Karin Ericsson Back, sång. Between the water and myself high grass and wild flowers are growing. Some mosquitos are circling round my ears. I will not write about every concert. I don’t have to say that much about music and I can’t listen to everything. And I won’t analyze any musical thing, but I will try to observe and find out what she does to people, what THIS music does to people and what effect she has on me. I am more interested in the relation between music and humans/societies than in the relation music to music or music to music history. I think like Andrew,

‘Really often, when the mind just wanders and lets the music do its thing, I mean, I keep coming back to really the primal things. (…) Because it’s really those things of life and death and food and animals and the stars and relationships with other people that I keep coming back to and then I think, those were the things that I’m thinking about in living, so of course those are the things that are going to come when I listen to the music.’

Andrew Choate, theoral no. 11
https://theoral.wordpress.com/2016/07/19/theoral-no-11-conversations-with-laura-altman-and-monica-brooks-and-andrew-choate/

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Fifth day, Saturday or Lördag, August 6

Et puis, la pluie.

Everything is rippeling. Waves everywhere. The rain is falling onto the roofs of the tents and blurs the perception. I got to know Margarida Guia via Marc already in the first days of my stay and she told me many things about the recording of the environment (she also made under-water-recordings in the river, where the music flows), she told me about the sound design of films, the conservatism of the TV station arte and about Roy Anderson and his movies among many other things. When I came to the Stallet Joel was doing the announcement. I stood next to Margarida who said I could have her place in a second.

Her performance comprised poetry, her voice, poésie sonore, samples of every kind – musical instruments, humans, animals, machines, in short, the world outside – signs, paper rolls, &c. &c. She became a sorcière who cast her spell over me. Never before had I seen something like this and although she did not say it, I heard in my head the words paradis sonore.

Pourquoi chantent-ils en pleine nuit les oiseaux ? Sur la place, il y a quinze arbres encore un banc pour reposer la journée. Que sont les bancs publics devenus ? Voilà les jardins bétonnés pour que Reine voiture puisse trouver domicile fixe et symétriquement au millimètre près clonés les arbres sont enfermés dans un cage afin que les racines rebelles ne défigurent le paysage.
TOUT EST SI CALME
Les rues vidées de leurs piétons. Que sont les hommes devenus ?

Margarida Guia, Pour Votre Sécurité
https://soundcloud.com/margaridaguia/pour-votre-securite

And Margarida a mis le chien (she played the dog). The day before we met by chance on the way home from the church (kyrka). I was walking along the street and she came on the wooden footbridge over the Vesterdalälven. We continued to walk together and passed by a house where a grey dog was barking, tied to a tree. A beautiful bark, Margarida said. She crossed the street and went over to the fence where she recorded him until he stopped barking and looked away. We went on towards the Hagen and she told me that barking sounds were her signature. When she does sound design, she always tries to place a bark. In the next days – both of us went past the house several times – there was no trace of the dog, the phantom dog. I am not sure if he really existed. Nonetheless he is on Margaridas recorder. Maybe the dog was me or it was an assistant of Professor Voland.

Margarida spoke about the memories that are triggered by a single sound or recording and how a tic-tac, the coming on of neon lights, or the barking of a dog, even made by humans, can bring back or evoke a whole world. I related an experience I had somewhere in France or Morocco. I came into a room and switched on the light and the click of the switch clicked exactly like in my room when I was a child. I can see myself in front of me writing into my notebook : Lichtschalter der Kindheit. Light switch of childhood. Hearing the click I felt transported into that time – until I put my backpack and bag on the only chair of the hotel room.

Eshu threw a stone yesterday; he killed a bird today.
Yoruba Proverb, in Pelton 1980

Then I saw the movie Badou Boy by Djibril Diop Mambety, in which a fat cop (like the clumsy but violent arm of the corrupt state) was chasing a slim gangster (the embodiment of the drive for survival). Very fine, almost invisible humor. For this reason I missed the concert in the Stallet with Jonas Kullhammar, saxophone; Marcelo Gabar Pazos, saxophone; Elsa Bergman, double-bass; Magnus Vikberg, drums.

After a short break the dance band came on stage. With Pat Thomas, computer, ipad;

Hagenfesten 2016 02

Daichi Yoshikawa, feedback; Seymour Wright, saxophone, Joel Grip, guimbri; Paul Abbott, drums, electronics; Antonin Gerbal, drums; Pierre-Antoine Badaroux, synthesizer, saxophone. And the people started to dance immediately, on-the-spot, and the dance floor got crowded until the Ladan was full. I got myself a craft beer and sat down outside in order to look into the sky. The cooking dance floor in my back, about 15 metres away. Focus inexpectatus – Félix came over and gave me a massage, neck and shoulders, very professional, like my haircut. I closed my eyes, surrendered my arms to gravity so that the bottle slipped out of my fingers. This kind of situation attracted other Hagenfolks, like Emma, who came to sit and talk with us. I went dancing. Movement. Merci, Félix.

Hagenfesten 2016 18

This, Saturday, morning there were two concerts in the church. Two solos + satisfied babies. First one was Sofia Jernberg, voice. Since a long time I hadn’t heard her so clear, so solo, because when I had the chance to listen to her, it was always in groups or orchestras that swallowed large parts of her voice. But here, she was clear as ever. I just listened.

The second concert was a violin (fiol) solo by Joel Bremer. He played traditional Swedish tunes and in between he had a lot to say but in Swedish. I couldn’t even hear his voice from my bench, so I lay down and from time to time I fell asleep only to be woken up by the heavenly sound of the violin and marvelled at the church ceiling. It’s also these moments of seemingly lesser importance that make a festival, especially when they give you the freedom to sleep outstretched in a church.

Afternoon, cinema : Lucas Maia projected a 16 mm film that was made by two friends of his, Distruktur : In the Traveller’s Heart – very Jodorowsky – and two films made by himself – ‘they are the same but different,’ he said. Studie zur Farbe.

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Sixth day, Sunday, August 7 – The Parting

Ahmed played yesterday : Seymour Wright, saxophone; Joel Grip, double-bass; Antonin Gerbal, drums; Pat Thomas, piano. A variation on a theme, 40 minutes, nothing new but good and it was fun.

In the evening I went to the movies : Dreaminimalist with Tony Conrad by Marie Losier. There is so much to discover.

And to miss – what I did not hear during the film was Alberto Pinton Noi Siamo – Alberto Pinton, saxophone, clarinet; Konrad Agnas, drums; Nikals Barnö, trumpet; Torbjörn Zetterberg, double-bass.

In the meantime, on the square under the bell (see illustration above), we projected the film that Léa, Pierre and Lukas shot during the festival. Léa and Pablo were holding the screen, Pierre and some others the film, Lucas was operating on the projector, I was holding the lamp. To be honest, we couldn’t see much.

After that the final dance concert took place with The Joe Davolaz – Vilhelm Bromander, elbas; Oscar Carls, singing, saxophone, flute; Dennis Egberth, drums; Joel Danell, synth; Linus Hillborg, guitar; Anders Af Klintberg, organ, lapsteel. Good rock show, white painted faces, two encores. The people danced and celebrated. Lena and Jon, Joel’s parents, were carried over the dancefloor by the crowd. We stayed up very long.

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Seventh day, Monday, August 8, Stockholm, Arlanda Airport, 19.20 pm

I just payed € 8,50 for a small beer.

I got the Airport Blues.

A car ride (with Linda and Jon) of three hours ejected me from our small scale society in Dala-Floda, our tribe, like David Meier said, who was with us in the car, and I arrived in the loneliness of the airport.

I got the Airport Blues.

We were driving in a red Saab, Swedisch quality – a crown jewel! Nowadays they don’t produce cars any more, only military equipment. I asked myself if the pilots of the fighter jets also can enjoy such nice leather seats.

‘Sweden has become a major world supplier of weapons counting a number of regimes criticised for human rights abuses among its customers, while at the same time enjoying a global reputation for peacemaking and generous foreign aid.’

http://www.thelocal.se/20140520/sweden-arms-dictators-as-defence-exports-soar

It is a loneliness that is only possible after this kind of unity we had at the Hagenfesten. In front of me, a young couple is kissing and caressing each other and they make it all so concise and so clear that she (G.) is not here, I am thinking in the words of Bob Dylan. Soon I am going to be in Vienna, my plane leaves tomorrow at ten in the morning. Our community in Dala-Floda is dispersed. Very soon all the different individuals will be scattered all over (Western) Europe, they go back home or they keep on travelling, as artists, from one society to the other, as Minnesingers.

I got the Airport Blues.

In the last days we created a situation, a temporary society we wish to be lasting. This is how life feels right, this is how it makes sense. Our society was very open and everywhere we found friendliness. The Hagenfesten made it (again) clear that a festival is made by EVERYBODY who is there – organizers, artists, volunteers, audience – and that it needs the small scale. The bigger a festival becomes the more the individual is reduced to his or her function and becomes invisible. Here, the ones who actually made the festival work, were not invisible and those who were, maybe chose to be so or just to be seen less in doing their work. To some I talked more, to some I didn’t talk at all. Everybody brought his or her history, claro! like every human being and every animal and tree, &c. has one, but here the stories were part of the festival. Of course, less than the stories of the musicians and poets but quand-même. Most of the volunteers are in their early twenties. Some keep coming back for every edition and bring their friends and many who came for the first time, said that it was a unique experience. They never had experienced a community like this one.

This is EDUCATION.

I got the Airport Blues.

Some days later : Reading Emma Goldman’s Living My Life I learned the important word tyrannicide.

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Literature:

Choate, Andrew 2015. In: theoral no. 11. Nickelsdorf.

Godard, Jean-Luc 2016. Österreichisches Filmmuseum. Wien.

Goldman, Emma 2008. Living My Life. Volume 1. Cosimo. New York.

Lesser, Alexander 1961. Social Fields and the Evolution of Society. Southwestern Journal of Anthropology 17: 40-48

Pelton, Robert 1980. The Trickster in West Africa. A Study of Mythic Irony and Sacred Delight. University of California Press.

Streifzüge. http://www.streifzuege.org

Wolf, Eric 1982. Europe And The People Without History. University of California Press.

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Illustrations: Mélody Maitre

Photos:

We who create this exhibition is Lisa Grip and Erik Viklund. In here we try to make photographs of the movement, people and moods that we meet during the festival. We see them as splinters in the jumble of Hagenfesten. Together they are as unpredictable as the rest of the program. In the beginning of the week the gallery is empty and then grows hand in hand with the festival. Everyday we take photographs, every night we develop them and hang them on the walls of the gallery.

about MUSIC UNLIMITED 29 – Charhizmatic Music.

about IRTIJAL and Beirut

Vorwort zu theoral no. 13

coverno-13_vorneIch saß mit meinem Freund Hans im Café Bräunerhof beim zweiten kleinen Mocca und wir besprachen einen Artikel von Andre Vltchek, als draußen ein trampelndes und mit verwüstendem Schritt durchpreschendes Nashorn unsere Aufmerksamkeit erregte. Touristen und Passanten liefen durcheinander, ließen ihre Kameras und Telefone fallen, suchten Schutz im Café. Der Vorfall währte nicht länger als der Kellner durchschnittlich dazu braucht, das pourboire in seine Tasche gleiten zu lassen. So blitzartig das Nashorn herangestürmt war, so plötzlich war es auch wieder verschwunden. Nur die Scherben der eingeschlagenen Scheibe des Teppichgeschäftes gegenüber blieben am Trottoir liegen. Der Besitzer stand bestürzt im Eingang.

Aber nein, ich wollte ja etwas anderes erzählen. Wo hab ich nur meinen Kopf? Anfang Oktober, an einem Sonntagvormittag, machte ich mit G. einen Spaziergang in den Phantomweingärten (und dem Phantompfirsichhain!) zwischen Nickelsdorf und der rauschenden Autobahn. Wir verließen die Straße und stapften über die Stechapfelbrachen zu den Nussbäumen, die heuer alle nur schwarze Nüsse abgeworfen haben. Schlechtes Jahr. Die Luft war noch warm, der Boden aber schon kalt. Die hohen Halme gelblich braun, die Blumen vertrocknet, ergraut die Schafgarben, aber die Haltung aufrecht, der Hanf am Wegesrand verblüht, ausgeblüht und wie fermentiert, die niedere Wiese noch vital am Weg zu den Mandelbäumen, deren Früchte vereinzelt auf dem bereits flachgeackerten Felde lagen. Wir taten sie in die Tasche.

Ein Stück weiter fanden wir einen halb verwesten Hasenkopf. Kein Körper weit und breit. G. photographierte ihn aus unterschiedlichen Perspektiven. Von links betrachtet erinnerte der Kopf an einen schlafenden Engel und der ihm verbliebene Löffel an einen Flügel. Von der anderen Seite glich er dem Kopf eines (des?) Teufels beziehungsweise dem Bild, das uns von ihm eingkatechiert wurde. Etwas verwesendes Fleisch am Wangenknochen, dunkelrotes, getrocknetes Blut, die Zähne lang und freiliegend, schwarze Augenhöhlen, Fliegen, bunte Schmetterlinge. Leider gibt es davon keine Aufnahmen, da kein Film in der Kamera war. Wir betrachteten den Schädel sehr lange, sahen zu, wie die Fliegen durch die Augenhöhlen unter seinen Schädel krochen, wie sie wieder herauskamen, eine kleine Runde flogen und sich am Fleisch an der Wange niederließen. Die Schmetterlinge, gelb und hellblau, schienen pietätvoller. Nicht weit entfernt, in Griffweite, standen trockene, silbrige Disteln, alle Dornen noch intakt. Sie waren feiner gealtert als die Schafgarben und schimmerten so betörend wie der verwesende Schädel. Daneben eine seidige Fasanenfeder, braun, schwarz, silbrig, womöglich vor Schreck verloren. Wir waren die einzigen Menschen. Solch beinah stille Schönheit und die Eltern und die Freunde, die Musik und der Wein am Tag davor, wiegten uns in Sicherheit.

Am Rückweg, beim Einbiegen in unsere Gasse, wurde das Rätsel des Vortags gelöst, nämlich warum die Bahnstrecke zwischen Zurndorf und Nickelsdorf den ganzen Nachmittag und Abend gesperrt gewesen war. Der Polizist, der in derselben Gasse wohnt, parkte gerade sein großes Auto vor seinem großen Haus und stieg in dem Moment aus, als wir vorbeikamen. Er erzählte uns, was passiert war : Eine junge, unbekannte Frau habe sich vor den Zug geworfen. Lange, schwarze Haare – sonst konnten die Beamten nicht viel erkennen. Ihr Name und ihr Geschlecht wurden anhand eines Flugtickets festgestellt, das sie bei sich hatte. From Dubai, mehr habe ich nicht in Erinnerung. Der Lokführer solle gesagt haben, dass er sie neben den Schienen gehen sah und als er dachte, an ihr vorbeizufahren, habe sie sich vor seinen Zug geworfen. Die silbrigen Disteln neben den Schienen waren schöne, stumme Zeugen, bekamen ein paar Spritzer Blut ab.

In der Verzweiflung, so weit gekommen zu sein und nichts erreicht zu haben, nimmt der Gedanke, sich umzubringen, vielleicht überhand. Wenn kein Mensch mehr da ist, der um einen trauert, wenn man ganz allein ist, ist es vielleicht einfacher, sich vor einen Zug zu werfen. Obwohl neben den Schienen die silbrigen Disteln stehen und einem dabei zusehen. Oder halbreife Hagebutten an einem perfekt (natürlich) gebogenen Zweig hängen. Oder die Hasen wie wahnsinnig über die Felder laufen. Wenn man die Geduld, aufs nächste Frühjahr zu warten, verloren hat, wenn man die Beherrschung verliert, schreitet man zur Tat.

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El horizonte sirve para caminar.
Schmickelangelo

Sich vor einen Zug zu werfen, ist eine Lösung. Es gibt aber auch noch andere Wege, um seine Beherrschung zu verlieren beziehungsweise um unbeherrscht zu sein. Oder besser : nicht dermaßen beherrscht, also regiert (gouverniert, Foucault) zu werden. Ich stelle mir vor, wie diese Frau – absolut alleine in einem Land, in dem ihr die Menschen als Masse und oft auch als Einzelne feindlich gegenüberstehen – die Schienen entlang ging und immer, wenn sie ihren Kopf erhob, auf den silbernen Horizont blickte, der in dem flachen Land allgegenwärtig ist. Aber welche Bedeutung hatte dieser Horizont für sie? Was dachte sie? In einem Interview brachte Eduardo Galeano den Horizont mit Utopie in Verbindung und sagte : ‘La utopía sirve para caminar. Die Utopie helfe beim Gehen, beim Weitergehen. Denn sie sei im Horizont, ‘ella está en el horizonte. Man nähere sich ihr ein paar Schritte und sie entferne sich ein paar Schritte. Man werde sie nie erreichen. Aber ohne Utopien würden wir aufhören zu gehen und uns fügen (heißt lügen, sagt Erich Mühsam). Wir müssen uns aber alle jeden Tag fügen. Die ökonomischen und ideologischen Zwänge, die unser Leben strukturieren, sind zu stark. Wir akzeptieren und wir reproduzieren sie um zu überleben. Unsere Utopien, oder unsere Ideen von Utopien, werden verschüttet, vom Müll, der täglich über uns hereinbricht und uns schwächen und verängstigen soll. Wir leben nicht in einer postfaktischen Ära – sich mit diesem Begriff auseinanderzusetzen ähnelte einer Diskussion darüber, ob das gesichtete Nashorn aus Afrika oder aus Asien stammte –, denn wirft man nur einen flüchtigen Blick in die Geschichte, wird einem klar, dass Propaganda schon immer existiert hat. Wir leben in einem Zeitalter des Mülls. Es werden Menschen dafür bezahlt oder dazu versklavt, Unrat (Produkte, Nachrichten und Bedürfnisse in allen ihren Formen), herzustellen und bis in die letzten Winkel der Welt (auch mit Gewalt) zu verbreiten. Wir selbst produzieren und reproduzieren ihn, wir leben in ihm und wir brauchen ihn, so wie ich diesen Computer brauche, auf dem ich gerade tippe.

Die Utopie von, sagen wir ganz pathetisch, einer besseren Gesellschaft, kann dabei helfen, sich dem zu entziehen und einer anderen Marschzahl zu folgen (die man sich in die Hand ritzen muss, wenn es geht, um sie nicht zu vergessen). Ich glaube, die erste und natürlichste Form von Widerstand ist das Nein, oder die Intuition zum Nein, die in uns allen schlummert (eine Schläferin), der aber viel zu wenig nachgegangen wird. Das Nein ist die Geburt des Widerstandes! Das Nein dazu, dermaßen regiert zu werden.

Die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren war alleine in einer Einöde von meist verschlossenen Einfamilienhäusern an der österreichisch-ungarischen Grenze unterwegs. Alle ihre Träume hingen in den Sträuchern, Bäumen und Stacheldrähten des Balkans, und als sie nach Österreich kam, wo es genau so aussieht wie in Ungarn, verließ sie vielleicht ihr Glaube an den Horizont. Ich denke mir, wenn sie nur durch Zufall in Nickelsdorf in die Jazzgalerie gestolpert wäre, sie hätte sich an einem Feuer wärmen können. Und sie hätte wie vorherbestimmt, junge Männer aus Syrien kennengelernt, die dort ein und aus gehen. Sie hätte sich vielleicht austauschen können, in welcher Sprache auch immer.

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Es gibt unterschiedliche Utopien. Sie können sich zum Beispiel so anhören :

Wo man zum Fischfang lauthals Lieder singt,
Und wo ein Sänger sogar fette Fische fängt,
Möcht
ich Poet und Fischer sein.

Oder :

Wo man zum Frühstück Lämmer brät
Und da, wo nie ein Wanst entsteht,
möcht
ich Vielfraß und Dressman sein.

Gelobtes Land. Franz-Josef Degenhardt

Dieses theoral no. 13 ist nun keine Utopie mehr. Es war in den letzten Monaten unser Horizont und die Publikation der Schritt hin zu ihm, dem Unerreichbaren. Die Utopie einer gerechten Welt bleibt bestehen.

Das Buch enthält drei Gespräche. Eines mit Angélica Castelló, aufgenommen in meiner Wohnung, eines mit Burkhard Stangl im Gasthaus Quell und eines mit beiden in ihrer gemeinsamen Wohnung.

Angélica Castelló : Composer, Sound Artist. Her sound work and compositions concentrate on fragility, dreamworld and the subconscious.
http://www.castello.klingt.org

Burkhard Stangl : Guitarist and composer. Works in the fields of improvisation, electronica and contemporary classical.
http://www.stangl.klingt.org

Die beiden sind sehr wichtig für jene zeitgenössische Musik in Wien, die alle Genres umfasst, aber keines bedient. Ich kenne ihre Namen schon relativ lange. Ihre Musik ist ganz langsam, peu à peu oder pas à pas, in meine Wahrnehmung eingedrungen und ab einem unbestimmten Moment habe ich begonnen, mit den Namen Personen, Persönlichkeiten, ein Gefühl, einen Sound zu verbinden. Ich sah und hörte sie in den unterschiedlichsten Formationen unterschiedlichste Musik spielen, ich war bei Performances dabei und ab und zu auch danach, in der Bar oder im Restaurant, hörte zu, redete mit, patzte mir die fette Pizza auf die neue Hose. Vor ein, zwei Jahren habe ich Burkhards Buch Hommage à moi gegen ein paar Theorals eingetauscht und kreuz und quer darin gelesen, mir die CDs angehört, die mir einen ganz neuen Aspekt, nämlich den kompositorischen, in seinem Schaffen eröffnet haben. Diese Archäologie einer Person, so Burkhard, die ich schließlich ganz gelesen habe, ist ein Dokument Wiener Musikgeschichte, in dem es nicht nur um Burkhard Stangl geht. Es ist gewissermaßen ein Nachschlagewerk, in dem auch Stücke, Bands, Aufführungen, Alben etc. von Musikerinnen und Musikern aus seinem Umfeld konzis und genau beschrieben werden. Dieser Hinweis soll als Erklärung dienen, warum viele musikalische Projekte der beiden in den Interviews nicht so intensiv besprochen worden sind.

Ich hatte also die Eingebung, wieder ein Buch über Musiker und Musikerinnen, die in Wien leben, zu machen. Die Geschichte(n) sollte(n) durch mündliche Erzählungen von zentralen Akteuren verdichtet und angereichert werden. Hilfreich dabei war ein Wissenschaftsstipendium der Stadt Wien über einmalig € 1.500, das mir zu diesem Zweck gewährt wurde1. Neben dem Sammeln von Geschichten und Gedanken über mehr als weniger selbstbestimmte Lebensläufe, geht es mir darum, die Tiefe und Weite der zeitgenössischen Musikszene zugänglicher zu machen. Jedoch nicht als historische Autorität, sondern als Medium, als Übersetzer. Diese Haltung gründet sich unter anderem auf eine Überlegung von Henry Threadgill, auf die ich in George Lewis großem Buch über die AACM [Association for the Advancement of Creative Musicians], A Power Stronger Than Itself [The AACM and American Experimental Music. 2008. The University of Chicago Press. Chicago and London. p. 191], gestoßen bin : ‘Who else in this Aquarian Age would be better suited to speak about this product than the instrument through which it appears? Surely, if such highly creative music can come from such minds, the same minds can give some insight about it and themselves in relationship.

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Der Besitzer des Teppichgeschäftes kehrte die Scherben weg um die sich eine Menschengruppe gesammelt hatte. Ein Wachmann : ‘Bitte links. Bitte links. Die Schaulustigen zerstreuten sich in den Gassen und die, die im Café Schutz gesucht hatten, nahmen eine Melange. Ich wandte meinen Kopf wieder Hans zu und sagte : ‘Weißt du, woran mich das gerade erinnert? – ‘An die letzten Tage der Menschheit?– ‘Ja, daran auch. Aber vielmehr an eine Erzählung, die ich unlängst gelesen habe. Eugène Ionesco, Die Nashörner. Darin sitzt der Erzähler mit seinem Freund Jean auf der Terrasse eines Cafés und sie reden über dieses und jenes, und plötzlich läuft ein Nashorn über den Platz, die Leute stieben auseinander, eine Flasche Wein fällt zu Boden und zerbricht, eine Katze wird totgetrampelt. In den darauffolgenden Tagen werden immer mehr Nashörner in der Stadt gesichtet und die Leute lenken sich mit der Frage ab, ob es sich um asiatische oder afrikanische Nashörner handle, bis es so viele werden, dass sich alle, die noch Menschen geblieben sind, an ihre plumpe und brutale Herrschaft anpassen müssen und schließlich auch Nashörner werden. – ‘Ah, eine Allegorie auf den Faschismus. Am Anfang will es keiner glauben. – ‘Genau, und dann werden sie alle selber Nashörner.

Sie kommen immer wieder, die Nashörner, und man muss sie immer wieder zurückschlagen. Wir müssen unsere Faschisten, ebenso wie unsere Unterdrücker in jeder Generation aufs Neue bekämpfen. In unseren wahrlich finsteren Zeiten, wenn ich die Umstände rein verstandesmäßig auf der Waage der Gerechtigkeit betrachte, sind es jene hypokriten Feinde der Utopie, die glauben, uns dermaßen regieren (und informieren) zu dürfen, gegen die wir uns – wollen wir der Utopie einer gerechten Gesellschaft entgegengehen – generationen-übergreifend erheben müssen.

The tygers of wrath are wiser than the horses of instruction.
William Blake

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1 Zum Vergleich : Die Ausgaben der Stadt Wien für Museen, Archive, Wissenschaft betrugen 2015 € 32.531.275,04 und für Theater, Musiktheater, Tanz € 90.581.221,–. Die Ausgaben des Bundeskanzleramts für Museen, Archive, Wissenschaft betrugen € 112.626.709,85 und allein für die Bundestheater wurden € 148.936.000,– ausgegeben. Musikförderung des BKA für 2015 gesamt : € 8.108.753,26
https://www.wien.gv.at/kultur/abteilung/pdf/kunstbericht2015.pdf
http://www.kunstkultur.bka.gv.at/DocView.axd?CobId=63354
13. Jänner 2017

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THEORAL NO. 13

EL PUEBLO VENCIDO (jamás será unido)

 

Radu Malfatti, bassharmonica
Philipp Schmickl, poetry
Munich, November 7, 2016

A Song. For Hamid.

FOCUS INEXPECTATUS in Dala-Floda

 

This is not a review. Meine Texte sind wie die Musik, sie haben keinen (wirklichen) Anfang und kein (wirkliches) Ende. Sie haben auch nicht nur ein Thema oder ein Hauptthema, denn alle Themen sind mit allen Themen verbunden. Eine Idee besteht aus allen Ideen. Ein Gedanke besteht aus allen Gedanken. Es gibt immer nur einen Anlass zu schreiben. In diesem Fall ist es das Hagenfesten in Dala-Floda, zu dem ich eingeladen wurde, meiner Musik Ausdruck zu verleihen.

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Dienstag, 2. August 2016, Arlanda Central Station, 9.28 Uhr

Que faire? (Was tun?) Ich warte in der Kälte auf den Zug, mit dem ich um 10.06 Uhr nach Borlänge fahre, wo ich dann in den Bus nach Dala-Floda umsteigen werde. Es findet ein Festival statt, dessen Programm geheim ist.

FOCUS INEXPECTATUS

‘Der Focus auf das Unerwartete ist zuerst ein Focus auf sich selbst und die Frage nach dem eigenen Willen,’ notierte ich mir als Vorbereitung auf die Reise. Denn man muss auch dazu bereit sein, das Unerwartete anzunehmen, d. h. frei, oder freier, von Ängsten zu sein und offen dafür, das Unerwartete auszuhalten bzw. es überhaupt zu suchen. Man braucht auch Vertrauen, dass das Unerwartete ‘gut’ wird bzw. dann die Geduld, das ‘schlechte’ Unerwartete durchzustehen. Ob es auf dem Festival wirklich Unerwartetes geben wird für mich, werde ich dann sehen.

Vor mir stellte sich gerade ein Polizist auf, der die Ein- und Aussteigenden mit seinen Blicken kontrollierte. Pistole, Schlagstock, etwas Kreuzweh, seinen Bewegungen nach.

Letzten Freitag verbrachte ich den heißen Nachmittag im Augarten (Wien) und las Eric Wolfs ‘Europe And The People Without History’Als meine Konzentration nachließ, blickte ich mehr den vorbeigehenden Frauen nach als zu versuchen, sie wiederzufinden, meine Konzentration. Es passiert mir immer wieder, den Focus zu verlieren. Aber ich kam mir bald blöd vor, meinen Kopf so viel hin und her zu drehen, also beschloss ich, mich wieder nur auf mich zu konzentrieren, mich auf meine Konzentration zu konzentrieren – à la recherche de la concentration perdue – auf der Suche nach der verlorenen Konzentration – und sie kam wieder und ich las (und verstand). So laufen einem dann auch die richtigen Menschen hinein : die Frucht der Konzentration.

Aus dem Focus auf mich selbst passierte das Unerwartete and it set the mood, my mood for the festen and the journey. Saudade! 

Heute morgen um sechs musste ich mich am Flughafen Wien von Andrew Choate trennen, mit dem ich die paar Tage déscente nach den Nickelsdorfer Konfrontationen (http://www.konfrontationen.at/ko16/) verbracht hatte. Wir lösten uns beim Kunstrasen, wo Andrew stehen blieb, jamming a square, und ich weitermusste, meinen Flug erwischen.

Ich las : ‘Lust wie Leben lassen sich nicht aufschieben. Sonnenuntergänge, reife Erdbeeren, Vogelgesang und Abschiedsküsse wollen jetzt genossen sein. Spontaneität ist das Gebot für allen Genuss; und was ist Spontaneität im Wesen anderes, als die Fähigkeit, sich überraschen zu lassen, staunen zu können?’
Severin Heilmann, Probe entfällt wegen Auftritt. Streifzüge 55

Die Reise

Sie haben mich abgeholt von der Dala-Floda Station und jetzt bin ich hier im nördlichsten Südschweden, zwei Tage vor Festivalbeginn und sitze allein am Tisch, höre junge Franzosen und Französinnen (bénévoles) englisch sprechen – about movies. Mir kommt alles ein bisschen kleiner vor als beim letzten Mal. Ich bin wohl gewachsen. Ah, Essen ist fertig.

Nach dem Essen : Während dem Essen hab’ ich einige der Freiwilligen kennengelernt. Viele sind nicht wegen der Musik gekommen, sondern wegen der community und weil sie Freunde und vor allem Freundinnen der volunteers sind, die regelmäßig beim Hagenfesten dabei sind. Britinnen, Französinnen, und ein paar andere aus Deutschland, der Schweiz oder aus Schweden. Jetzt liegen sie verstreut in der Sonne.

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In einer halben Stunde beginne der shift-workshop, sagte Jens Linnel, der sich um die Freiwilligen kümmert, damit sie lernen, was sie alles zu tun haben während des Festivals. Die Franzosen und Französinnen sprechen nun französisch über cinéma. Als ich während des Essens über mich (dass ich über das Festival schreiben werde und Bücher herausgebe) und Nickelsdorf erzählte, fiel mir auf, dass ich sagte in our festival the focus lies on improvisation – es habe mittlerweile sogar den Untertitel ‘Ein improvisiertes Festival’ bekommen – und dass dies eine Analogie zum focus on the unexpected sei, nur graduell verschieden. Denn Improvisation ist eine Methode, die das Unerwartete provozieren will und eine Methode à faire la musique politiquement (politisch Musik zu machen). Hier sind wir wieder beim cinéma denn der letzte Gedanke hat mit Jean-Luc Godard zu tun. Karin, meine theoral Komplizin, hat mir ein Heft geschenkt, das ich mir mitgenommen habe, um es zu lesen. Es heißt Que faire und beinhaltet Gedanken über das Machen von Filmen, die Jean-Luc Godard in 40 Punkten zu einem kleinen Manifest zusammengefasst hat. Aber dazu später.

Es ist noch alles hier auf der Hagen : der Fluss (als ich ankam, dachte ich mir, ‘Da unten fließt die Musik’), die Wolken, das Haus, die Wintergartenküche, die floating Sauna, die Scheunen, die Pavillonzelte (wieder), der Wind, die Gelassenheit, sowie all die kleinen Hocker, Sessel, die unterschiedlichsten Bänke und Sofas, die Schaukelsitzgruppe, Fauteuils, Kerzenständer, Tassen und Tässchen, verziert mit Blumen (Blümchen) oder Herzen, Weingläser in allen Formen, Tischdeckchen, Aschenbecher, Schüsseln, Lampen und Lämpchen, Sternchen, Lampions, Girlanden, Blumentöpfe, Bänder, Vorhänge, Deckchen – alles vom Loppis (Altwarenhändler in Dala-Floda), denke ich mir. Die Wiese ist frisch gemäht worden und an den Stellen, wo das hohe Gras mit seinen Wiesenblumen nicht stört, hatte man es stehengelassen. Der Abhang zum Fluss, der Steg zum Ins-Wasser-springen, die Holzboje zum Anhalten, die Nils Holgersson Gänse, die Glocke, Lena und Jon, die Eltern von Joel Grip, der mich eingeladen hat,

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das Feld nebenan, die Himbeeren, der Zeltplatz und immer wieder die Gelassenheit. Vor allem, wenn man auf das Wasser blickt, kann man den Eindruck bekommen, auf einer Insel zu sein. Aber die Stimmung, die sich in Europa ausbreitet, ist auch in uns, wir haben sie auf diese Insel mitgenommen, wir nehmen unsere Gedanken überall mit hin – nur der Reisende kann aus der Ferne reflektieren. Wir versuchen, die Beunruhigung mit Musik zu lindern, ich versuche, die Beunruhigung mit Musik zu lindern.

Vor zwei Wochen fand wir unser Festival statt, die Konfrontationen. Andrew the square-jammer Choate und ich waren ohne viel herumzureden einer Meinung – im heurigen Festival war so etwas wie eine Verunsicherung zu spüren gewesen, eine politische Unsicherheit, eine Ungewissheit. Viele Konzerte waren gut, einige sehr gut, eines war OUTSTANDING – sie spielten mit den Steinen und den Blumen, dem Wind und der Hitze (Nin Lê Quan, percussion; Michel Doneda, reeds; Foto: Peter Ganushkin).

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Andere Konzerte waren uninteressant. Eine normale Mischung. Die Unsicherheit – vielleicht fühlten nur wir sie – hatte ihren Ausgangspunkt an der Schwelle der Jazzgalerie, an der Schnittstelle zwischen dem Fest und der eigentlichen Ortschaft (Nickelsdorf) in der bei der letzten Bundespräsidentenwahl im Frühjahr zwei Drittel für den rechtsextremen Kandidaten gestimmt haben. Ich habe das Gefühl, die Ignoranz kippt langsam in aktive Ablehnung. Vor einigen Jahren, so ums schwarzblaue 2000 etwa, wurden einige Festivalbesucher am Campingplatz von betrunkenen Dorfjugendlichen attackiert. Ich hoffe, das wiederholt sich nicht, aber das Potenzial ist fühlbar. Dieses Jahr kam es zur Räumung eines Teils der Soundartausstellung, da der Besitzer ‘keine Flüchtlinge in seinem Haus haben wolle’ (in dem die Ausstellung stattfand). Text zur Ausstellung :

Christine Schörkhuber: “We arrived on the dark side of Europe”
“Wir sind in der dunklen Seite Europas angekommen”
Tausende Menschen waren im letzten halben Jahr an der griechisch-mazedonischen Grenze gestrandet. Um sich aus ihrer Sprachlosigkeit zu befreien und ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen, blieb ihnen nur die Möglichkeit, ihre Zelte zu beschriften, in der Hoffnung, dass diese Zeilen irgendwo weitergetragen und gelesen werden. Und sie werden weitergetragen bis nach Nickelsdorf. Transferiert, disloziert und aus dem Kontext gerissen erscheinen diese Relikte eines Stückes Europageschichte auch nach der Räumung Idomenis auf bebenden Zeltwänden wieder.

Die Zelte mussten wieder verschwinden. Sie wurden dann aber direkt vor der Jazzgalerie aufgestellt und das war viel wirksamer.

13781943_1800653423514730_7053703786935747179_nFoto: Micke Keysendal

Dazu kommt, dass seit kurzem das Militär (das Bundesheer) (wieder) bewaffnet durch die Gassen des Dorfes patrouilliert. Ein Freund, der während des Festivals in Hegyeshalom, der ersten Ortschaft nach der ehemaligen ehemaligen Grenze, ein Zimmer genommen hatte, und der täglich mit dem Rad in die Jazzgalerie kam, erzählte mir, dass er zwei Mal auf österreichischer Seite Soldaten gesehen hätte, Gewehr in der Hand. Vor ihnen knieten Menschen im Schotter mit hinter dem Kopf verschränkten Händen. Dror Feiler machte Fotos und wurde verjagt und bedroht.

FullSizeRenderFoto: Dror Feiler

Das alles verunsichert. Man fühlt das “neue Selbstbewusstsein” des Militärs (und der Polizei). Sie hoffen immer noch, dass bei der Wahlwiederholung ihr Kandidat, der rechte, gewinnt. Auch in Wien sehe ich seit einiger Zeit viel mehr Polizei, sie sind überall mit ihren Visagen und unansehnlichen Wägen.

Nach einem Schläfchen in der Sonne bin ich wieder auf der Insel erwacht. Die Vorbereitungen gehen voran, die volunteers sind fleißig, obwohl ich Tilly sagen hörte, ‘I feel more like sleeping.’ Die Ruhe, in der die Arbeit verrichtet wird, ist gerade von einem zu Boden gefallenen Kochtopfdeckel erschrocken worden. Niklas Barnö geht vorbei (organizer). Ich geh dann ins Wasser.

Gerade war Lisa Grip da, Joels Schwester, und hat mich gefragt, ob sie mich fotografieren könne. Sie und ihr Partner Erik Viklund machen (tagsüber) Portraits von den Anwesenden und entwickeln sie in der Nacht. Kamera : Wista 4×5. In der Galerie über dem Stallet soll so in den nächsten Tagen eine Ausstellung entstehen.

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Neben mir sprechen ein Franzose und eine Amerikanerin über die Polizei. ‘When you see the police in the street (in Baltimore) you don’t think that they gonna protect you,’ sagte sie. ‘Yeah,’ entgegnete er, ‘in France it’s the same now. There was a law enforcement, so they can take you in the street and bring you to the police station and hold you for two days without any reason.’ 

Es wird Abend und in der Küche wird viel Französisch gesprochen, es läuft Cumbia. Sie donnert. Ich habe Lust auf 1 Bier.

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Zweiter Tag, ein Tag vor Festivalbeginn, Mittwoch, 3. August

Sie hat mich im Traum besucht und bezugnehmend auf meine Notiz in meinem kleinen Notizheft, in dem ich schrieb, sie sei eine Frau, mit der ich, wenn es dann wieder so weit ist, vor den Nazis fliehen könne, sagte sie, ‘No, you must fight.’

Gestern Abend lernte ich den Schlagzeuger Paul Abbott kennen und er erzählte mir von CESURA//ACCESO (http://cesura-acceso.org) About : Cesura//Acceso is a print and online journal for music politics and poetics. Oder wie im Editorial zu lesen ist :

‘This journal explores—through music, politics and language—the means we have, in spite of limitations, to be part of an ecology of resistance and learning that includes skin, organs, ideas, imagination, flight, asylum and history. It is also a project of unmasking both the roots and reproductions of increasingly opaque and complex malignant factors that sustain our oppressions, and the “unspent” political potential of music.’

Ich frühstückte mit Marc,

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dem Weinhändler und Konzert-Organisator des Atelier Tampon Nomade in Paris (https://www.facebook.com/marc.fevre.39). Wir redeten gleich Klartext. Im Küchenradio liefen die The Beatles und er sagte, ‘Je déteste les Beatles (Ich hasse die Beatles).’ Schon früh in seiner Jugend sei ihm die Musik, die alle hörten auf die Nerven gegangen, Dire Straits, Supertramp (das er wie Supertrump aussprach), deshalb sei er in die bibliothèque municipale, discothèque, und fragte die Bibliothekarin, ob sie ihm etwas anderes/something else empfehlen könne und sie gab ihm eine Cecil Taylor Platte und Alan Silva and The Celestial Communication Orchestra, Byg Actuel, https://www.youtube.com/watch?v=hoMwVrNT2Cs. Das habe dann sein Leben verändert. Ich erzählte ihm von Hauna (Hans Falb, der die Jazzgalerie zu dem gemacht hat, was sie ist), der mir auch sehr früh viel Musik (und Literatur) zugeschanzt hat, die mich geformt hat. Marc entdeckte mir daraufhin – langage Lacanien – die Wortkombination repère/re-père (repère = Orientierungspunkt; père = Vater). Danach folgten Wortspiele wie ‘petit-daesh’ oder ‘touches pas à ma compote!’ Marc erzählte mir auch von den ‘chinoises sur les quaies qui te font une pipe pour cinq Euro.’ (Chinesinnen auf den Kais in Paris, die dir für fünf Euro einen blasen.) Freundinnen von ihm gingen einmal auf die Chinesinnen zu um ihnen zu sagen, dass sie ruhig mehr verlangen könnten als fünf Euro, aber alles, was diese sagten war, ‘Bon prix! Bon prix!’ (guter Preis) – wahrscheinlich das Einzige, was sie auf Französisch können. Wir sind wir darauf gekommen? Ah, ich weiß schon. Ich erzählte ihm von einer Heimreise aus der Auvergne über Italien mit dem Autobus. In Lyon stiegen ungefähr zehn Polen ein, die ebenfalls auf der Heimreise waren. Sie tranken Vodka, jeder hatte seine eigene Flasche, sie tranken aber aus winzigen Bechern, und bei jedem Halt kauften sie noch ein paar Flaschen in der Tankstelle. Sie luden mich ein mitzutrinken und erzählten mir, dass sie nun endlich wieder nach Hause fahren konnten, nachdem sie monatelang in Südfrankreich ein Schloss renoviert hatten, für vier Euro pro Stunde und am Samstag mussten sie ihre Verpflegung reinarbeiten. Das ist also die Welt, in der wir leben, solche Ausbeutung passiert mitten unter uns and tacitly we agree. 

Der Eindruck, hier in Dala-Floda auf einer Insel zu sein, verstärkt sich dadurch, dass seit meiner Ankunft das Internet nicht mehr funktioniert, weil der Blitz eingeschlagen hat. Ins Modem?

Aber die Idee von isoliert oder quasi-isoliert existierenden (auch temporären) Gesellschaften – obwohl von den Herrschenden und Herrschenwollenden gerne verwendet – ist schon lange obsolet, in der Anthropologie allerspätestens seit Eric Wolf ‘Europe And The People Without History‘ geschrieben hat, 1982.

Introduction : ‘We have been taught, inside the classroom and outside of it, that there exists an entity called the West, and that one can think of this West as a society and civilization independent of and in opposition to other societies and civilizations. Many of us even grew up believing that this West has a genealogy, according to which ancient Greece begat Rome, Rome begat Christian Europe, Christian Europe begat the Renaissance, the Renaissance the Enlightenment, the Enlightenment political democracy and the industrial revolution.’ (p. 5)

About sociology and the way of analysing societies or nations, after the advent of capitalism, that gave way to the idea of societies or nation-states as ‘islands’ that follow an ‘inner clock-work’, he writes : ‘Since social relations have been severed from their economic, political, or ideological context, it is easy to conceive of the nation-state as a structure of social ties informed by moral consensus rather than as a nexus of economic, political, and ideological relationships connected to other nexuses. Contentless social relations, rather than economic, political, or ideological forces, thus become the prime movers of sociological theory.’ (p. 9)

An einer anderen Stelle kommt Nikolaus Dimmel zu einem ähnlichen Schluss wenn er über die Analyse von Gewalt in der Soziologie schreibt :

‘Deshalb vermag etwa der Mainstream der Soziologie als einer sozialtechnologischen Disziplin, das Gewaltverhältnis nicht anders als über personale Beziehungen zu erschließen. Gewalt wird hier gemeinhin als körperliche (physische) und/oder seelische (psychische) Schädigung eines Anderen oder von Anderen oder/und deren Androhungen verstanden.’ Gewalt – Ein Verhältnis, Streifzüge 63.

Die globalen ökonomischen, politischen und ideologischen Gewalten, die uns hier im Kleinen regieren, werden also nicht in die soziologischen, und andere Mainstream-Analysen einbezogen, die somit jegliche Aussagekraft verlieren, auf die sich aber unsere Herrschenden und Herrschenwollenden und deren Medien beziehen.

Eric Wolf im Afterword : ‘This book has asked what difference it would make to our understanding if we looked at the world as a whole, a totality, a system, instead of as a sum of self-contained societies and cultures; if we understood better how this totality developed over time: if we took seriously the admonition to think of human aggregates as “inextricably involved with other aggregates, near and far, in weblike, netlike connections” (Lesser 1961: 42). As we unraveled the chains of causes and effects at work in the lives of particular populations, we saw them extend beyond any one population to embrace the trajectories of others – all others.’ (p. 385)

In diesem Buch werden zuerst die Geschichte der, und die Connections zwischen den einzelnen Gruppen, Gesellschaften, Nationen, &c. in Amerika, Asien, Afrika, Australien vor Ankunft der Europäer dargestellt, dann die Ankunft der Europäer und mit ihnen die zerstörerischen Kräfte von Merkantilismus und schlussendlich dem Kapitalismus bis zur industriellen Revolution. Es wird klar, dass wirklich alles mit allem verbunden ist und es schon lange vor unserer momentanen Phase der (digitalen) Globalisierung war. Beim Lesen von ‘Europe And The People Without History’ wurde mir auch klar, dass wir als Menschen und Gesellschaften völlig machtlos sind gegenüber den kapitalistischen Notwendigkeiten. Die Grundlagen der entscheidenden Entscheidungen haben nichts mit den Leben der einzelnen Menschen zu tun, auch nicht mit dem Leben von Gemeinschaften, auch nicht mit Staaten oder Staatenverbünden. Diese Entscheidungen werden nicht von Einzelpersonen getroffen, sondern sie KOMMEN ZUSTANDE durch kapitalistische Notwendigkeiten. Widerstand wird inkorporiert (vgl. Nikolaus Dimmel: Sozialkritik als Marktsignal, in Streifzüge 64). Wir können wählen gehen, und auch wenn die “richtige Partei” oder die am wenigsten üble Partei gewinnt, können wir uns sicher sein, dass ihre entscheidenden Mitglieder korrumpiert werden von und durch die kapitalistischen Notwendigkeiten. Wir können nichts dagegen tun. Was bleibt mir also als so decent wie möglich, so elegant und unbeeindruckt wie möglich durch die Weltgeschichte zu surfen und zu versuchen mich so wenig wie möglich regieren zu lassen? Wieder Michel Foucault. Wir müssen uns unsere Welt selber machen, trotz aller Polizei. Eine Merzwelt. Denn, 

‘[p]rofan gesagt: Ohne der Lust zu fröhnen lässt sich die Realität nicht überwinden, die uns der Lust nicht fröhnen lässt.’ Lorenz Glatz, Meer der Lust. In: Streifzüge 51

Und das versuchen wir hier in Dala-Floda. Unsere Gesellschaft ist temporär – sie muss wieder verschwinden, da uns ja keine Ressourcen zur Verfügung stehen und die, die die Ressourcen haben, behalten sie für sich – aber es kommen Ideen und Gefühle an die Oberfläche, wie es besser gehen könnte. Und diese Ideen können sie, die Herrschenden und Herrschenwollenden, uns nicht austreiben.

Es regnet immer wieder, manchmal fünf Minuten, manchmal eine halbe Stunde, manchmal stärker, manchmal tröpfelt es nur. Das Wasser aus den Wolken schlägt auf dem Papier meines Heftes auf und es schlägt Wellen, das Papier, das Wasser, wie der Fluss. Es die Ureigenschaft, das Primordiale, des Wassers Wellen zu schlagen. Vielleicht. Der Regen überträgt das Ozeanische des Wassers auf mein Papier, es schlägt Wellen. Ella, volunteer auf der Hagen und Literaturstudentin in Glasgow fragte ich, ob sie Virginia Woolf, ‘The Waves’ gelesen habe. ‘No, just ‘To The Lighthouse’ and ‘Orlando’.’ Auch nicht schlecht. Auch der Wein schlägt Wellen, wenn ich ihn beim Schreiben verschütte. Der Ozean wogt also auch in meinem verzierten Weinglas.

Un essai de Faire 2 – Gedanken zu Jean-Luc Godards ‘Que faire?’

Über Ähnlichkeiten und Überschneidungen in der Arbeitsweise von Jean-Luc Godard, Eric Wolf, Improvisatoren und Improvisatorinnen und diesem Text im Rahmen des Manifestes ‘Que faire?’.

Einige Punkte aus ‘Que faire?’:

• 1 – Il faut faire des films politiques. (Wir müssen politische Filme machen.)

• 2 – Il faut faire politiquement des films. ( Wir müssen politisch Filme machen.) 

• 13 – Faire 1, c’est faire des descriptions de situations. (1 ausführen heißt, Beschreibungen von Situationen zu machen.)

• 14 – Faire 2, c’est faire une analyse concrète d’une situation concrète. (2 ausführen heißt, eine konkrete Analyse einer konkreten Situation zu machen.)

• 19 – Faire 1, c’est décrire la misère du monde. (1 ausführen heißt, die Schlechtigkeit der Welt zu beschreiben.)

• 20 – Faire 2, c’est montrer le peuple en lutte. ( 2 ausführen heißt, das Volk im Kampf zu zeigen.)

• 23 – Faire 2, c’est de ne pas fabriquer des images du monde trop complètes au nom de la verité relative. (2 ausführen heißt, nicht über-komplette Bilder der Welt im Namen relativer Wahrheit herzustellen.)

dt. Übersetzung: Frieda Grafe.

Was bedeutet relative Wahrheit? In meinem Denken bedeutet das Streben nach relativer Wahrheit den Versuch, die Beziehungen, die Relationen, zwischen den Menschen bzw. sozialen Gruppen und den ‘Rahmenbedingungen’ in denen sie leben, offen zu legen, also FAIRE 2 im Sinne von • 14, faire une analyse concrète d’une situation concrète (eine konkrete Analyse einer konkreten Situation zu machen). Sowie im Sinne von Eric Wolf, der in ‘Europe And The People Without History’ schrieb, ‘To demonstrate the global interconnections of human aggregates is one task; to explain the development and nature of these connections, however, is another‘ (p. 385). Der zweiten Aufgabe, die Wolf anspricht, das Erklären der Entwicklung und der Charakteristika der ‘Rahmenbedingungen’ oder Connections (= ökonomische, religiöse und ideologische Zwänge) zwischen den sozialen Gruppen, liegt ein analoge Idee zugrunde wie Godard’s FAIRE 2.

Daraus folgt, dass ‘Europe And The People Without History’ kein politisches Buch ist, sondern dass Eric Wolf politisch (•2) ein Buch geschrieben hat, aus dem wir viel besser ableiten können, wie wir regiert werden als aus vielen anderen Büchern, Artiklen, Meldungen, denen eine Inselvorstellung inhärent ist und die sich nicht auf die Connections, also die relative Wahrheit konzentrieren.

Das sehe ich analog zu der Art, zu dem Spirit, wie viele Musiker und Musikerinnen am Hagenfesten und anderen Festivals dieser Größe und Atttitude) ihre Musik, bzw. die Musik präsentieren. Es ist mehr ein Forschen nach möglichen Ausdrucksformen der Musik, weniger ein Demonstrieren von etwas Vollendetem, Abgeschlossenem, also von Einflüssen Isoliertem. Wenn man mit den einzelnen Musiker/-innen spricht, wird einem schnell klar, dass sie prinzipiell alle Einflüsse auf sich wirken lassen, aus allen Künsten aus aller Welt, sie reflektieren die politischen, religiösen und wirtschaftlichen Zwängen, das eigene momentane Befinden, &c. Das alles wirkt auf die Musik, die bei einem Konzert gespielt/durchgelassen wird. Wie Christof Kurzmann einmal sinngemäß im Radio sagte, ‘Gestern hab’ ich die Nachrichten gesehen, heute in der Früh hab’ ich die Zeitung gelesen und das spiel’ ich’.’

Und die Künstler und Künstlerinnen zeigen sich auf der Bühne in ihrem Kampf (vgl. • 20 – Faire 2, c’est montrer le peuple en lutte. Das Volk im Kampf zeigen), da solche Konzerte oft den Charakter eines öffentlichen Experiments haben.

• 24 – Faire 1, c’est dire comment sont les chose vraies. (Brecht) (1 ausführen heißt, zu sagen, wie wirklich die Dinge sind (Brecht).

• 25 – Faire 2, c’est dire comment sont vraiment les choses. (Brecht) (2 ausführen heißt, zu sagen, wie die Dinge wirklich sind (Brecht).

• 30 – Faire 2, c’est savoir que l’unité est une lutte des contraires (Lénin), savoir que deux est dans un. (2 ausführen heißt, zu wissen, dass Einheit ein Kampf der Gegensätze ist (Lenin), zu wissen, dass die zwei in einem sind.)

Die Übersetzerin Frieda Grafe schreibt, dass die zwei in einem sind und meint damit wahrscheinlich die Gegensätze, obwohl im Original nur steht, dass zwei in einem oder gar dass 2 in 1 ist; das wird nicht klar. Wahrscheinlich ist es so gemeint, wie sie es übersetzt. Beim ersten Lesen jedoch (ohne Übersetzung) hab’ ich das als universellere Idee aufgefasst, wie etwa : ein Gedanke besteht aus allen Gedanken, analog dazu, dass eine Einheit nicht nur aus zwei Gegensätzen bestehen kann, sondern aus unzähligen Elementen, wie eine Gesellschaft aus allen auf sie wirkende Einflüsse, Connections, besteht.

Ein anderer Gedanke war : zwei ist in einem, wie the body is the mind is the body.

https://www.youtube.com/watch?v=nfHCIkaxsN4

• 37 – Faire 2, c’est se servi[r] des images et des sons comme les dents et les lèvres pour mordre. (2 ausführen heißt, Bilder und Töne als Zähne und Lippen zu benutzen, um damit zu beißen.)

• 38 – Faire 1, c’est seulement ouvrir les yeux et les oreilles. (1 ausführen heißt nur, Augen und Ohren aufzumachen.)

Wer macht 1, in dem Bilder und Töne (und ich füge an : Worte) nicht als Zähne und Lippen zum Beißen benutzt werden? Godard nennt es die Bourgeoisie (• 11 – Faire 1, c’est rester un être de classe bourgeois. [1 ausführen heißt, ein Wesen der bürgerlichen Klasse zu bleiben.]) Und faire 1 bedeutet auch in der Beschreibung zu bleiben (• 13) und nicht nach der relativen Wahrheit zu suchen, also den Beziehungen zwischen den Phänomenen – der Wahrheit der Beziehungen. Und die Wahrheit der Beziehungen spiegelt die Machtbeziehungen, an deren schwächeren Ende wir leben. Und nur wenn wir die Machtbeziehungen erkennen, können wir versuchen, uns weniger regieren zu lassen.

Jeder übliche Text über ein oder anlässlich eines Musikfestivals bleibt in der Beschreibung und gibt sich damit zufrieden, über das zu schreiben, was auf der Bühne passiert (ist) – manche Journalisten schreiben auch ohne anwesend zu sein über Konzerte.

Ich versuche hier, im Sinne von FAIRE 2, die Musik, die gespielt wird, und das Wie der Präsentation, den Ort und die Menschen des Festivals, sowie die Umstände, die politischen und gesellschaftlichen Zustände, beobachtend-juxtaposierend und poetisch-politisch in dem Zusammenhang zu zeigen, in dem ich sie stehen sehe.

Nun, abgesehen vom sogenannten Kulturjournalismus (=Kulturindustrie) – der an sich harmlos ist und ausschließlich über Harmloses (den Machtausübenden gegenüber) berichtet – gibt es sehr viele im Bereich der Medien (Tageszeitungen, Wochenzeitungen, Radio, privat und staatlich), denen ihre fundamentale Aufgabe gar nicht bewusst ist. Der Arbeitsweise der herkömmlichen Journalisten inhärent ist eine Selbstlegitimation, die ihnen erlaubt, weiter existieren zu können im System – denn sie verdienen entweder zu gut oder zu schlecht, wahrscheinlich meistens zu schlecht, und sind somit nie unabhängig. Und bevor sie ein Risiko eingehen, bleiben sie lieber innerhalb und erfüllen in vorauseilendem Gehorsam ihre Aufgabe als Legitimierungsrädchen, auch und vor allem im Sinne der Herrschenden. Ihre Arbeitsweise bedeutet die Legitimierung der Nichtssagerei der Politiker und Politikerinnen, der sogenannten Experten und Expertinnen, &c., indem sie, einerseits, sie und ihre Schwafelei ernst nehmen, und andererseits, sie durch ihre Nichtsfragerei bzw. ihrer Zufriedenheit mit Nichtantworten ungestraft wieder gehen lassen. Denn was der Legitimität der Medienarbeiter/-innen am gefährlichsten werden kann, ist das ‘In-Relation-Setzen’ ihrer Berichte – denn das könnte der Politik und allen anderen Machtausübenden unangenehm werden, und somit wiederum den Medien gefährlich werden. Deswegen reduzieren sie ihre Arbeit auf parteiisches Beschreiben und der Legitimierung von Worthülsen. Sie verschweigen die Connections, wenn sie überhaupt versuchen, sie zu finden.

Politicians, Journalists, nous irons cracher sur vos tombes !

(Wir werden auf eure Gräber spucken)

&

Dritter Tag; erster Festivaltag, 4. August

Erstes Konzert, Kirche. Pat Thomas, piano; Daichi Yoshikawa, feedback; Seymour Wright, saxophone; Joel Grip, double-bass; Paul Abbott, drums; Antonin Gerbal, drums; Pierre-Antoine Badaroux, saxophone. Bevor es begann sprach Lena, Joels Mutter und das Herz der Küche, zu den Gästen und sagte zwei wichtige Dinge : ‘We are doing this for the fun.’ und ‘Food is also music.’

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Das Konzert erinnerte mich wieder daran, dass die Musik keinen Anfang und kein Ende hat. Die Musik, als immer existierender Strom, ist stets da, sie muss nur durch die Musiker und Musikerinnen hörbar gemacht werden, durch deren Konzentration wird sie hörbar gemacht, an die Oberfläche gezogen oder hereingeholt in die alten Gemäuer, es werden Lecks geschlagen in die Atmosphäre. Sie fließt durch die Musiker/Medien, durch den Raum, in-dem sie hörbar wird, in uns hinein und verschwindet wieder. Manchmal kommt sie wie ein Blitz auf die Erde. Sie ist dann in uns, sie schlägt Wellen in uns, im Wasser unseres Körpers. Manche Spieler/-innen versuchen, diesen Schwall von Musik (mehr) zu kontrollieren, andere lassen ihn so frei wie möglich durch ihren Körper hindurchfließen und versuchen ihm den besten Ausdruck zu verleihen, mit dem Vokabular, das ihnen zur Verfügung steht, konzentriert und détaché en même temps.

Ich dachte : so ein Festival ist ein Fest der Hörbarmachung, eine gemeinsame Anstrengung, da gehört auch die Konzentration der Zuhörer dazu, sich der Musik als Verbindung zwischen den Menschen zu bedienen und jede und jeder Einzelne hat ihre und seine eigene Art, das zu tun. Hier gibt es keinen Dirigenten, keinen sogenannten Schöpfer, der den Einzelnen sagt, wie sie was zu tun haben. Hier wird die Musik nicht missbraucht.

Ich dachte weiters : Ich versuche so viele Pforten (Türen, Tore) zu öffnen wie möglich, sozial und artistisch.

Zweites Konzert, Kirche. Es war wirklich eine Überraschung, denn ich hatte nicht erwartet, Jens Linnel (tamburin, amplifier, cymbals), der sich so um den Aufbau und die Freiwilligen gekümmert hat (und um mein Zelt), auf die Bühne kommen zu sehen. Er sah anders aus, trug ein helles Hemd und seine blonden langen Haare waren nicht von einer Kappe bedeckt. Man merkte, dass es ruhig wurde, als nur mehr zufriedene Babylaute zu vernehmen waren, und Jens begann ganz langsam mit einem Tamburin und fand bald die notwendige Konzentration schwedische folk music auf ein abstrakteres Niveau zu bringen. Am Ende hörte es draußen zu regnen auf und die Sonne schien durch die Kirchenfenster. Und aus den Augen der Madonna lief Blut, irgendwo in Italien.

Hagenfesten 2016 70

Am Nachmittag waren wieder alle zurück auf der Hagen. Um vier Uhr gab es die Wahl zwischen Filmen und einem kurzen Konzert. Ich war noch so auf Musik aus, dass ich sofort ins Härbre ging, wo Susana Santos Silva, trumpet; Paul Abbott, drums; Wilhelm Bromander, double-bass spielten. Zehn Minuten, Viertelstunde Konzentration saß ich zu ihren Füßen, dann war’s vorbei und ich warf mich in den Fluss.

Am frühen Abend eröffnete Aimie La Friseuse, une ‘coiffeuse qui bosse dans la mode à Paris,’ wie sie sagte, ihren Friseursalon, pay as you wish. Ich war der erste Klient (und zahlte zwei Gläser vin naturel).

Mein viertes Konzert war im Ladan mit John Holmström, piano; Anna Lund, drums; Emil Skogh, double-bass; Swing auf supernice, also nicht auf alt, so auf mittelalt. Aber was ist alt und was ist neu? Es geht nur immer darum, die Musik an die Oberfläche oder herein oder herab zu holen und das ist an sich eine ehrenvolle Aufgabe. Bleibt halt immer die Frage nach dem Wie – das jede/r für sich beurteilen kann. Was ich zu vermeiden suche, das Beurteilen. Das geht aber auch nicht immer. Manches ist einfach – ich möchte nicht sagen schlecht, denn schlecht kann auch gut sein, aber hypocrite. 

Danach im Stallet spielte Evie Scarlett Ward, voice and cassette recorder. Poetry. Ich fand erst Raum im Gesprochenen (und Konzentration), als sie den Recorder abstellte – mit dem sie sich selbst als Stimmengewirr abgespielt hatte : konkret unkonkret Londonian metro – und ihre Poesie fragil in die Stille sprach. Dann war’s schön.

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Vierter Tag, 5. August 2016

Kleine Exhaustion. Aber das gute Essen und das halbtäglich frisch gebackene Brot, das hier alle gemeinsam (artists, audience, volunteers) zur gleichen Zeit einnehmen, stärkt ungemein. Auch der französische vin naturel und das schwedische craft beer, das jedoch ein bisschen nach Zahnpasta schmeckt (Parodontax), sind Medizin gegen Müdigkeit.

Die beiden letzten Konzerte des gestrigen Abends hörte ich nur aus der Ferne, sie waren auch laut genug. Vorletztes Konzert: Jonathan Larsson, dragspel; Oskar Reuter, guitar, nyckelharpa. Letztes Konzert: Ständernas Svall – Finn Loxbo, guitar, singing; Vegard Lauvdal, drums.

Ich hielt mich in der Bar auf und redete mit den Leuten. Dort lernte ich Lucas Maia kennen, einen Brasilianer aus São Paulo, der in Berlin lebt und hier während des Hagenfesten gemeinsam mit Léa Lanoë und Pierre Borel einen Film dreht, mit einer 16 mm Kamera. Ich sprach mit den volunteers und einigen Gästen und hörte viele Geschichten, die man strangern gerne erzählt. Justine erzählte mir, dass sie von Mélody, der ich mehr über mein Schreiben und Büchermachen offengelegt habe, gehört hatte,

Hagenfesten 2016 12
Mélody & Justine

dass ein écrivain (ca. Schriftsteller) am Festival sei. Sie wusste nicht, wie er aussehe, aber sie habe sich ganze Zeit gedacht, so wie ich mich bewege und schaue, müsse ich das sein. Ich werde also als écrivain bezeichnet und erkannt. Aber bin ich wirklich einer? Ich schreibe und ich publiziere, aber nur privat und nicht in Zeitschriften oder Verlagen. So bin ich outsider, aber auch unabhängig und nicht im Feuilleton (Kulturjournalismus!), wie etwa unlängst die würdelose (erbärmliche) Glavinic-Sargnagl-Diskussion – Seiten voll galoppierender Bedeutungslosigkeit, die nur von den Zwängen und den Herrschenden, denen wir unterworfen sind, ablenken. Solche Kleinigkeiten passieren auch auf weitaus höherem Niveau, denn H. C. Artman soll auch zu oder über Ingeborg Bachmann gesagt haben, sie sei eine blöde Gurke. 

The rain disregards any agenda
Under the stars.
Howe Gelb

Die Instabilität des Wolkigen. In der Galerie sah ich Anna Högberg, saxophones; Susana Santos Silva, trumpet. Es war sehr früher Nachmittag, ziemlich hell für die allgemeinen Verhältnisse, ich setzte mich an den Rand und schloss die Augen fast bis zum Ende des Konzerts. Ich war in ihren Instrumenten, hätte noch lange bleiben können. Am Ende sah ich sie als zwei junge Elefantinnen vor mir stehen und applaudierte.

Es ist jetzt halb vier, 2016, ich bin 36 Jahre alt. Die Menschen um mich sprechen in den unterschiedlichsten Sprachen. Aimie hat die Bar schon aufgemacht und spielt Radio Nostalgie. Seit Tagen hat sie ihre rosa Sonnenbrille nicht mehr abgenommen, die sehr gut zu ihrem marokkanischen Gesicht und dem brasilianischen Haarschopf passt. Sie kam gerade aus der Bar und rief, ‘The bar is open!’ und dann tanzte sie ein wenig vor der Eingangstür. Buenaonda. Ich überlege, mir ein Glas rosé pétillant zu organisieren.

Hagenfesten 2016 61
with Itaru Oki

Später: War dann doch im Ladan mir das Kino anzusehen. Das Programm wird kuratiert von Pierre Borel und Léa Lanoë. An diesem Nachmittag gab es zu den Filmen Livemusik von Joel, Susana, Niklas, Linda, Antonin, Pierre-Antoine und Franziska, die alle nur mit dem Vornamen vorgestellt wurden. 

Voilà, das Programm, das während dem Festival etwas durcheinandergebracht wurde, absichtlich.

Mercredi 3/8
23H / Séance 1: Moullet/Smith
– Essai d’ouverture, de Luc Moullet – 14 ‘
– The Girl Chewing gum, de John Smith – 12′
– Gargantuan, de John Smith – 1′
– Barres, de Luc Moullet – 14′
– Associations, de John Smith – 7′
– Om, de John Smith – 4′

Jeudi 4/8
16H / Séance 2 : Jean Painlevé
Le Bernard l’hermite, 14′
La quatrième dimension, 10′
Les amours de la pieuvre, 14′
Le Vampire, 8′

01H / Séance 3 : Jean Rouch
Cocorico Monsieur Poulet, de Jean Rouch – 92′

Vendredi 5/8
16H / Séance 4 : Ciné Konzert Bruce Lacey
– The Battle of New Orleans, 5′
– How to take a Bath 8′
– The Running and Stumbling and dumping Still, 10′
– The Kiss 8′
+   La Croissance des Végétaux, Institut Pasteur – 12′

01H / Séance 5 : Djibril Diop Mambety
– Badou Boy, de Djibril Diop Mambety – 56′

Samedi 6/8
16H / Séance 6 : 16mm
– Studie Zur Farbe, Lucas Maia, digital ton, 8′
– In the Traveller’s Heart, Distruktur, Optical ton, 20′ 

01H / Séance 7 :
Dreaminimalist, de Marie Losier – 23′
Germans taste the best , de Rosa von Praunheim – 26′
Double Exposure, de Bruce Lacey – 3′

a und Pierre betreiben in Berlin das KK19 http://daskkdixneuf.tumblr.comA space in Berlin for extraordinary musics, exhibitions, films, lectures, dancings, foods, and so forth. Ich muss sie unbedingt mal besuchen. Vor allem, was die Filme betrifft, haben sie mir eine andere Welt angedeutet – es gibt noch so viel, das ich nicht kenne! Jeden einzelnen Film würde ich mir wieder ansehen, aber schreiben will ich über keinen.

So ein Filmprogramm müsste in jedem Festival, das sich mit Experimenten auseinandersetzt bzw. Experimente präsentieren möchte, seinen Platz haben. Live-Vertonung ist okay, aber nicht notwendig.

Es geht hier ein Mann, ein alter Schwede, durchs Festival, der aussieht wie Jean-François Pauvros mit abgeschnittenen Haaren. (Leider kein Foto).

Gerade beginnt ein Konzert im Stallet. Ich hoffe, ich höre es herüber. Immer noch denke ich an die jungen Elefantinnen. Applaus im Stallet. Greta (3 Jahre, weißblond, wie alle schwedischen Kinder) versteckt sich vor ihrer Mutter (Franziska). Ich weiß, wo sie ist. Franziska nicht.

Hagenfesten 2016 16

Das andere Kind hat eine Maske verkehrt aufgesetzt. In der Küche wird das Abendessen prépariert. Ich höre nichts aus dem Stallet. Die Sonne scheint mir auf die schwarze Jacke. 

Später : Es spielten Martin Küchen, saxophones; Joel Bremer, violin.

Hier kommt es leicht zu einer Vermischung der sounds von außen und innen, je leiser das Konzert, claro, desto mehr hört man aus der Umgebung. Ich dachte : Es gibt hier keinen Willen eine (künstliche, gekünstelte) pureté zu schaffen, also die Musik vom Leben rundherum abzutrennen, also (anti-faschistisch) eine Vermischung zuzulassen von Musik, Menschen, Tieren, Maschinen, knarrenden Holztüren, le vent qui passe. Man ist relaxed, man weiß, in welcher Welt man lebt/liebt.

Halb 9, die Sonne scheint noch. Ich sitze am Fluss, die Leute sind im Konzerte mit Eva Rune, Gesang; Maria Misgeld, Gesang; Karin Ericsson Back, Gesang. Zwischen mir und dem Wasser stehen hohes Gras und Wiesenblumen. Ein paar Gelsen fliegen mir um die Ohren. Ich werde nicht über jedes Konzert schreiben. So viel hab ich über Musik an sich nicht zu sagen und ich kann mir auch nicht alles anhören. Ich werde auch nichts Musikalisches analysieren, vielmehr versuche ich herauszufinden, was sie mit den Menschen macht, was DIESE Musik mit den Menschen macht und wie sie auf mich selber wirkt. Mich interessiert die Beziehung zwischen Musik und Mensch/Gesellschaft und weniger zwischen Musik und Musik/Musikgeschichte. I think like Andrew,

‘Really often, when the mind just wanders and lets the music do its thing, I mean, I keep coming back to really the primal things. (…) Because it’s really those things of life and death and food and animals and the stars and relationships with other people that I keep coming back to and then I think, those were the things that I’m thinking about in living, so of course those are the things that are going to come when I listen to the music.’

Andrew Choate, theoral no. 11
https://theoral.wordpress.com/2016/07/19/theoral-no-11-conversations-with-laura-altman-and-monica-brooks-and-andrew-choate/

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Fünfter Tag, Samstag oder Lördag, 6. August 

Et puis, la pluie.

Es schlägt schon alles Wellen. Der Regen auf den Zeltdächern dämpft die Wahrnehmung.

Ich hab Margarida Guia schon in den vorangegangenen Tagen kennengelernt (durch Marc) und sie hat mir viel erzählt vom Aufnehmen der Umgebung (sie hat auch Unterwasseraufnahmen gemacht), vom Vertonen von Filmen, von der Biederkeit des Fernsehsenders arte, von Roy Andersson, von dem ich nicht mal seinen letzten Film gesehen habe, obwohl ich es wollte. Als ich in den vollen Stallet kam, sprach Joel noch seine Ankündigung. Ich stellte mich neben Margarida, die sagte, ich könne gleich ihren Platz haben.

Ihre Performance umfasste Poesie, ihre Stimme, poésie sonore, Samples aller Art – Musikinstrumente, Menschen, Tiere, Maschinen, die Welt draußen also –, Schilder, Papierrollen, &c. &c. Sie wurde zur sorcière, une belle sorcière, die mich in ihren Zauber hineinzog. Ich hatte so etwas so noch nie so gesehen und obwohl sie es nicht gesagt hatte, hörte ich in meinem Kopf die zwei Worte paradis sonore.

Pourquoi chantent-ils en pleine nuit les oiseaux ? Sur la place, il y a quinze arbres encore un banc pour reposer la journée. Que sont les bancs publics devenus ? Voilà les jardins bétonnés pour que Reine voiture puisse trouver domicile fixe et symétriquement au millimètre près clonés les arbres sont enfermés dans un cage afin que les racines rebelles ne défigurent le paysage.
TOUT EST SI CALME
Les rues vidées de leurs piétons. Que sont les hommes devenus ?

Margarida Guia, Pour Votre Sécurité
https://soundcloud.com/margaridaguia/pour-votre-securite

Und Margarida a mis le chien (hat den Hund gespielt). Am Tag zuvor haben wir uns zufällig auf dem Heimweg von der Kirche (kyrka) getroffen. Ich ging der Straße entlang und sie kam über die wackelige Fussgeherbrücke über den Vesterdalälven. Wir führten unseren Weg gemeinsam fort und kamen zu einem Haus, in dessen Hof ein grauer Hund angebunden war und bellte. Ein schönes Bellen, wie Margarida sagte. Sie ging über die Straße zum Zaun des Hauses und enregistrierte (nahm auf), bis er aufhörte und sich abwendete. Beim Weitergehen erzählte sie mir, dass Hundebellen ihr Erkennungszeichen sei, ihre Signatur – sie versuche, wenn sie etwas vertone, immer ein Bellen unterzubringen. In den nächsten Tagen – wir beide gingen unabhängig voneinander öfter an dem Haus vorbei – war der Hund, Phantomhund, nicht mehr anzutreffen. Ich bin mir nicht sicher, ob es ihn überhaupt gegeben hat. Nichtsdestotrotz ist er auf Margaridas Aufnahmegerät. Vielleicht war ich der Hund, oder es war ein Gehilfe Volands.

Margarida redete von den Erinnerungen, die einzelne Aufnahmen oder Sounds in ihr auslösen, wie ein tic-tac, das Angehen von Neonröhren oder eben Hundebellen, auch wenn von Menschen gemacht, eine ganze Welt wieder-holen können. Ich erzählte ihr von einer Erfahrung, die ich irgendwo in Frankreich oder in Marokko hatte. Ich kam in einen Raum und drehte das Licht auf und der click des Schalters klang, klickte, genauso wie der in meinem Kinderzimmer damals. Ich sehe immer noch genau vor mir, wie ich in mein kleines Notizheft ‘Lichtschalter der Kindheit’ schrieb – dort fühlte ich mich auch hinversetzt, bis ich meinen Rucksack und meine Tasche auf den einzigen Stuhl des Raumes –

Eshu threw a stone yesterday; he killed a bird today.
Yoruba Proverb, in Pelton 1980

Dann sah ich den Film Badou Boy von Djibril Diop Mambety, in dem ein fetter Cop (wie der ungelenke, aber gewalttätige Arm eines korrupten Staates) einen schlanken Gangster (die Verkörperung des Überlebenstriebes) jagte. Sehr feiner, fast unsichtbarer Humor. Dadurch verpasste ich das Konzert im Stallet mit Jonas Kullhammar, saxophone; Marcelo Gabar Pazos, saxophone; Elsa Bergman, double-bass; Magnus Vikberg, drums.

Nach einer kleinen Pause folgte die Tanzband mit Pat Thomas, computer, ipad;

Hagenfesten 2016 02

Daichi Yoshikawa, feedback; Seymour Wright, saxophone, Joel Grip, guimbri; Paul Abbott, drums, electronics; Antonin Gerbal, drums; Pierre-Antoine Badaroux, synthesizer, saxophone. Und die Leute begannen sofort, auf der Stelle, zu tanzen und wurden immer mehr auf der Tanzfläche bis der Ladan voll war. Ich holte mir ein Kraftbier und setzte mich raus um in den Himmel zu blicken, in meinem Rücken, ca. 15 Meter entfernt die brodelnde Tanzfläche. Focus inexpectatus – kam Félix und massierte mir den Nacken und die Schultern, professionell, wie mein Haarschnitt. Ich schloss die Augen, überließ meine Arme der Schwerkraft und ebenso die Bierflasche, die mir aus den Fingern glitt. Diese Situation lockte andere Leute, sich zu uns zu setzen. Ich ging wieder tanzen. Movement. Merci, Félix.

Hagenfesten 2016 18

Heute, Samstag, Vormittag gab’s wieder zwei Konzerte in der Kirche, zwei Solos + zufriedene Babylaute. Die erste war Sofia Jernberg, voice. Ich hab sie schon lange nicht mehr so klar gehört, so alleine, in letzter Zeit nur in großen Formationen, die viel von ihrer Stimme verschluckten. Aber hier, in dem kurzen Solo kam sie wieder wirklich zum Vorschein (für mich), ich lauschte einfach. Das zweite Konzert war ein Violinsolo (fiol) von Joel Bremer. Er spielte traditionelle tunes und dazwischen redete er viel auf Schwedisch. Seine Stimme war von meinem Platz aus unhörbar, sein Instrument aber nicht. Also legte ich mich entlang der Bank und schlief von Zeit zu Zeit ein, um mich von der himmlischen Geige wecken zu lassen und an die Kirchendecke zu staunen. Es sind auch diese Momente von scheinbar kleinerer Wichtigkeit, die so ein Festival ausmachen, vor allem, weil einem auch die Freiheit gegeben wird, ausgestreckt in einer Kirche zu schlafen.

Nachmittags im Kino : Lukas Maia projizierte einen 16 mm Film, den Freunde von ihm gemacht hatten, Distruktur : In the Traveller’s Heart – sehr Jodorowsky – und zwei Filme, ‘they are the same but different’ von ihm selbst, Studie zur Farbe.

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Sechster Tag, Sonntag, 7. August – Abschiedstag

Am Abend gestern spielte Ahmed : Seymour Wright, saxophone; Joel Grip, double-bass; Antonin Gerbal, drums; Pat Thomas, piano. Eine Variation auf ein Thema, 40 Minuten, nichts Neues, aber gut, und es war sehr witzig.

Abends wieder im Kino : Dreaminimalist mit Tony Conrad von Marie Losier. Es gibt noch so viel zu entdecken.

Und zu versäumen – denn was ich während des Films nicht hörte, war Alberto Pinton Noi Siamo – Alberto Pinton, saxophone, clarinet; Konrad Agnas, drums; Nikals Barnö, trumpet; Torbjörn Zetterberg, double-bass.

Zwischendurch projizierten wir den Film von Léa, Pierre und Lucas am Platz bei der Glocke. Léa und Pablo hielten die Leinwand hoch, Pierre und einige andere den Film, Lucas bediente den Projektor, ich die Taschenlampe um ihm zu leuchten. Ehrlich gesagt, man sah nicht viel. 

Danach folgte das Abschlusstanzkonzert mit The Joe Davolaz – Vilhelm Bromander, elbas; Oscar Carls, singing, saxophone, flute; Dennis Egberth, drums; Joel Danell, synth; Linus Hillborg, guitar; Anders Af Klintberg, organ, lapsteel. Gute Rockshow, weiß bemalte Gesichter, zwei Zugaben. Die Leute haben getanzt und gefeiert. Lena und Jon, Joels Eltern, wurden auf Händen über die Tanzfläche getragen. Wir blieben sehr lange auf.

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Siebenter Tag, Montag, 8. August, Stockholm, Arlanda Airport, 19.20 Uhr

Ich habe gerade € 8,50 für ein kleines Bier bezahlt.

I got the Airport Blues.

Eine kleine Autofahrt (mit Linda und Jon) von drei Stunden katapultierte mich aus unserer kleinen Gesellschaft, unserem Stamm in Dala-Floda, wie David Meier, gesagt hat, der mit im Auto saß, in die Einsamkeit des Flughafens.

I got the Airport Blues.

Wir fuhren mit einem roten Saab, schwedische Qualität – ein Kronjuwel! Heute stellen sie keine Autos mehr her, nur mehr Kriegsgerät. Ob die Piloten in den Kampfjets auch in so behaglichen Ledersitzen was auch immer machen?

Sweden has become a major world supplier of weapons counting a number of regimes criticised for human rights abuses among its customers, while at the same time enjoying a global reputation for peacemaking and generous foreign aid.

http://www.thelocal.se/20140520/sweden-arms-dictators-as-defence-exports-soar

Eine Einsamkeit, die nur nach einer solchen Zusammengehörigkeit möglich ist, rather unausgeschlafen. Vor mir, ein junges Pärchen küsst und streichelt sich – ‘they make it all so concise and so clear, that she (G.) is not here,’ denke ich mit Bob Dylans Worten. Bald bin ich in Wien, aber hier habe ich noch die ganze Nacht, bis zehn in der Früh, vor mir. Unsere Gemeinschaft in Dala-Floda hat sich aufgelöst, die Einzelnen haben sich wieder auf ganz Europa verstreut, eher Westeuropa, sind zurückgekehrt in ihre heimischen Gesellschaften oder reisen weiter, als Künstlerinnen, von einer zur anderen, oder als Minnesänger.

I got the Airport Blues.

In den letzten Tagen haben wir alle eine Situation geschaffen, eine temporäre Gesellschaft, die wir uns beständig wünschen. So ist das Leben richtig, so hat es einen Sinn. Unsere Gesellschaft war eine sehr offene und in allen Wiesen und Wassern war ein Entgegenkommen zu spüren, ein Wohlwollen. Das Hagenfesten macht deutlich klar, dass ein Festival ALLE Beteiligten machen – Organisation, artists, Freiwillige, Publikum – und dass es diesen kleinen Rahmen braucht. Je größer ein Festival wird, desto mehr werden Einzelne auf ihre Funktion reduziert und werden unsichtbar. Hier gab’s ganz wenige Invisibles, die das Festival zum Laufen brachten und wer weiß, vielleicht wollten die, die weniger gesehen wurden, auch weniger gesehen werden. Einige konnte ich besser kennen lernen, andere weniger. Alle haben ihre Geschichte und ihre Geschichten, claro! wie jeder Mensch, aber hier waren sie Teil des Festivals, die Geschichten. Sicher weniger als jene der Musiker und Poetinnen, aber quand même. Die meisten der volunteers sind Anfang 20. Einige sind schon länger dabei (and they keep coming back und sie bringen neue Freunde und Freundinnen mit) und viele andere, die zum ersten Mal dabei waren, sagten es sei eine unique experience gewesen. Sie hätten so eine Gemeinschaft noch nie erlebt.

This is EDUCATION.

I got the Airport Blues.

Tage später, während dem Reinschreiben des Hagentextes, habe ich beim Lesen von Emma Goldmans ‘Living My Life’ ein wichtiges Wort gelernt: tyrannicide.

Literatur:

Choate, Andrew 2015. In: theoral no. 11. Nickelsdorf.

Godard, Jean-Luc 2016. Österreichisches Filmmuseum. Wien.

Goldman, Emma 2008. Living My Life. Volume 1. Cosimo. New York.

Lesser, Alexander 1961. Social Fields and the Evolution of Society. Southwestern Journal of Anthropology 17: 40-48

Pelton, Robert 1980. The Trickster in West Africa. A Study of Mythic Irony and Sacred Delight. University of California Press.

Streifzüge. http://www.streifzuege.org

Wolf, Eric 1982. Europe And The People Without History. University of California Press.

Fotos, Text zur Ausstellung:

We who create this exhibition is Lisa Grip and Erik Viklund. In here we try to make photographs of the movement, people and moods that we meet during the festival. We see them as splinters in the jumble of Hagenfesten. Together they are as unpredictable as the rest of the program. In the beginning of the week the gallery is empty and then grows hand in hand with the festival. Everyday we take photographs, every night we develop them and hang them on the walls of the gallery.

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William Parker on Billy Bang

Billy was born in Alabama, he came up, he didn’t know his father – I think, he met his father one time – and he came up to Harlem and he lived there with his mother and his mother’s sister, his aunt, and then he moved to the Bronx. I met him actually after he had returned from Vietnam, in the early seventies. He went to Evander Childs High School where my cousins went. So there were connections, Roy Campbell also went to Evander. Bang signed up for Vietnam. His mother did not want him to go. His mother was very political, I met her once. But he signed up – a lot of people signed up for Vietnam because they were just in flux, they didn’t know what to do. But he went right over. It really changed him. It dominated his life from then on. Because he was a tunnel rat, you know, they’d send him through a tunnel with a gun and a flashlight to spot the so-called enemy. And it must have been bone chilling to do that and do it over and over again. And he changed personalities over that. He never really talked about it, till the end, when he was trying to work it out, but he did some very very very heavy things over there, let’s just say that. And when he got back, he couldn’t adjust. He could not adjust to coming back to America, so he got involved in politics and he got hooked up with some Black Panther Party guys, a guy named Clive Hunter, we called him Bad Dude. And they were going to rob a bank. Okay, they were gonna rob a bank to get money to get weapons and to support their cause. So they took Billy from New York down to Baltimore and in those days you’d just go into a pawn shop and you could buy guns. They knew Billy was a weapon’s expert. Now, Billy was a prodigy, this brilliant guy. Up in Harlem he got a scholarship for a private school in Massachusetts, where he went to school with the folk singer Arlo Guthrie. He played the bongos and Arlo Guthrie would sing and then he took up the violin somewhere in there, but then, after Vietnam, he lost contact. So now, he is in this pawn shop and they’re up front looking for guns – and by the way, Clive Hunter, the guy who later became a Muslim, he called him Bilal Abdur Rahman, he’s on a record we did called Black Man’s Blues [Billy Bang’s Survival Ensemble : Black Man’s Blues; Bang, Parker, Rahman, Rashid Bakr, drums], he was a great saxophone player. He had gone to music and art school, he was a very good musician. So, he was there, Billy wandered in the back where they had the musical instruments and he was looking up and he saw a violin, he spotted it, and then he went back up and said, ‘Look, buy this gun, buy that gun, buy that gun, buy that gun,’ and then he went in the back and he asked the guy, ‘How much is that violin?’ And the guy said 25 bucks. So, he gave him 25 bucks, put it in a paper bag and took it back with him. Okay, now, they are doing the plans for the bank robbery. Bilal, brilliant guy, noticed that Bang had the violin. So they were saying, ‘We’re gonna meet eleven o’clock Monday to rob this bank.’ Okay. He tells Billy, ‘We’re gonna meet at one o’clock to rob the bank.’ Okay. Now, everybody shows up, at eleven o’clock they rob the bank, they get busted, they all went to prison. Billy shows up at one o’clock, safe. Okay, and he’s got his violin. And that got him back into music. He made his journey back into the music. And we had a guy named Henry Warner who was up there, a guy named Sonny Harper, a bunch of guys who were like these street guys who were in the music and so I met Billy and he had a poncho on, a violin and a napsack. And we hit it off and I was living in the projects, so then he would come to my house and my mom would cook dinner and we’d practice, you know, and get concepts together. But the spectre of Vietnam was behind him, was right behind him. You had like medication, all kinds of drugs, you know, at fourth of July, when he hears the fireworks, he’d go high. But at the same time Billy was brilliant. He developed his own concept because we used to play with no drummer and no amplifier, so he was basing his thing off of John Coltrane and he developed a big thick sound on the violin that nobody else had, to this day. And when he picked up the violin, he was safe, he was in a spattered beauty and there was no Vietnam, there was nothing around him that would remind him of the war. So, in the very end, we were up and down playing and doing stuff and Billy began to do reconciliation. He made this Vietnam project, these two records, towards the end of his life and everyone on the record is an Vietnam veteran, Butch Morris [conduction], Henry Threadgill [flute], Ted Daniel [trumpet], Michael Carvin [drums], John Hicks [piano], all from Vietnam, and Frank Lowe [tenor saxophone] was on the record [and Curtis Lundy, bass; Sonny Fortune, flute; Ron Brown, percussion; James Spaulding, saxophone, flute; Co Boi Nguyen, vocals], all ex Vietnam guys, they made two records and they were brilliant. And then, on top of that, a French company said, ‘Why don’t we make a movie, Billy?’ First it was called Redemption Song, but they changed the name to Lucky Man [in the IMDb.com listed as Redemption Song]. He went back to Vietnam to try to find some of the people who he fought with, who were also musicians and the movie follows him going back, visiting the people and exchanging things and you see him crying, then you see him very full of emotion and he was beginning to get back and to forgiving himself – you know, when you go and like, wipe out a village of people, I mean, how do you – it just keeps coming up, coming up. He was getting into Buddhism because the woman he was living with, Maria, was into it. One New Year’s Eve he came to the house and brought his Buddhist flute and we just meditated, I said, ‘I can’t believe this,’ you know, ‘New Year’s Eve and we’re meditating here,’ for like until the new year came. So Billy was trying to get back into things and then, he got lung cancer, from Agent Orange. And he fought the lung cancer as long as he could. Hamid, we went to pick him up from the hospital. Yeah, and he died right after that. And the day he died, I was doing a benefit for the new Communist party and David Murray was there and I said to David Murray – but on with what happened : Billy called me – see, I’m an ordained minister, so I can marry people – and Billy wanted to marry his girlfriend and I said, ‘Okay, I’ll marry you.’ But then, he was still married to this other woman, so we couldn’t do it, but on Friday Billy called and he said, ‘William, I’m leaving out of here in three days.’ Okay. On Monday I’m up at the city college, we’re doing the benefit, I see David Murray and I say, ‘David, you gotta call Billy, he’s not doing well, call him.’ And by the time me and Matthew Shipp got to play, David came and whispered in my ear, ‘Yeah, I just got a call from Ming, Billy’s gone.’ So, we play and then I immediately rush up to Billy’s house, they were playing the record, one of the songs from the record [the Vietnam project] and he was in the bed and he was just there and so I just went into the room and I sat there, I had to bring Matthew with me, I’ve never seen a body before and we just sat there and then the funeral home came and got him and it’s weird, they put him in a bag on a hand truck and just took him away. So, it was a tough one. And there’s still other layers, so much to write a book about Billy Bang, you know, and do a lot of interviews, but it’s like, most of the people he’s connected with have also died but he’s got a lot of cousins, cousin Ricky, and he’s got daughters and sisters. And a lot of people that he has heavily influenced. And the thing about Billy though, he took lessons from Leroy Jenkins and after about two lessons, Leroy would said, ‘Get outta here!’ You know, he couldn’t do nothing with Bang. He’s like, ‘I can’t do nothing with you, get outta here.’ But then Leroy began to really respect Bang, he said, ‘Ah, that’s another way to do things.’ So, it’s a deep cat and Bilal Abdur Rahman, he became a Muslim in prison and came out and we did records together. Then he went to Atlanta and he was shot. He was shot in Atlanta. We don’t know how he died but it’s very interesting connective stories, you know, with Roy Campbell and other people from the Bronx. It’s good to get this side, because you’ve spoken with me a lot and William and I – I’m kind of representing the Midwest, in a way, Chicago, only to a certain extent and William, you know, New York, but there is this whole other historical aspect that double v p represents also, even in relationship to like Nickelsdorf because a lot of the New York musicians in the beginning and even now, were going to Nickelsdorf, people that you kind of grew up seeing. So, I think it’s really good to get this perspective, also from someone that was up with those particular individuals. Because there’s not many sources now, where you can get this information. And it’s funny, because Billy Bang got his name from a Saturday morning cartoon called Billy Bang And His Brother Butch. It’s funny because Billy had a brother – well, people don’t know about that, but I know about it, and his name is Butch. And he has red hair, and I think he’s a half-brother.

So, Billy Bang was basically teaching himself the violin? Yeah, I mean, he took workshops here and there, with Jackie McLean, not with violin teachers, with saxophone teachers. The only violin teacher I know he studied with a little bit was Leroy Jenkins. And it was more the fact that Leroy was playing the violin and could do something with it : that was the inspiration for Billy, and for all of us with Leroy Jenkins, because those Delmark records with the AACM, you know, Muhal Richard Abrams, was the first time we heard Leroy and then we got to know Leroy through living in New York, on the Lower East Side and then Leroy did his thing with Cecil Taylor, when I was in the band, so I got to know him a bit then. But Billy is mostly, ninety percent, self-taught. And when you’re self-taught, you can come up with original ideas because you’re not following a historical standard of how you are supposed to do things because you don’t know anything about that. You’re figuring things out on your own. And you really have to match that being self-taught with having a gift. Because if you’re self-taught and you don’t have a gift, it can’t blossom as much as it could blossom. But if you’re self-taught and you have a gift, then it really can blossom.

This is a passage from theoral no. 12 – Conversations with Hamid Drake and William Parker (ca. 130 pages) which will be published around May – www.theoral.org